Reiseimpfungen und Tropenschutz: rechtzeitig vorsorgen
Fernreisen in tropische und subtropische Länder sind beliebt – doch wer entspannt verreisen möchte, sollte sich rechtzeitig mit dem Gesundheitsschutz befassen. Andere Klimazonen bedeuten oft auch andere Krankheitserreger, gegen die unser Immunsystem keinen Schutz aufgebaut hat. Mit der richtigen Vorsorge lassen sich viele Erkrankungen vermeiden. Wichtig ist vor allem eines: rechtzeitig anfangen.
Warum der Zeitpunkt entscheidend ist
Viele Reiseimpfungen entfalten ihren vollen Schutz erst nach einigen Wochen, manche benötigen sogar mehrere Teilimpfungen im Abstand von Tagen oder Wochen. Wer erst kurz vor dem Abflug an den Impfschutz denkt, kann den empfohlenen Schutz unter Umständen nicht mehr vollständig aufbauen. Als Faustregel gilt: Die reisemedizinische Beratung sollte etwa sechs bis acht Wochen vor der Abreise stattfinden. Bei sehr kurzfristig gebuchten Reisen lohnt sich der Besuch trotzdem – auch ein unvollständiger Schutz ist besser als gar keiner, und manche Impfungen wirken bereits nach wenigen Tagen.
Standardimpfungen zuerst überprüfen
Bevor es um spezielle Reiseimpfungen geht, lohnt ein Blick in den Impfpass. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, vor jeder Reise den allgemeinen Impfstatus zu kontrollieren und gegebenenfalls aufzufrischen. Dazu gehören insbesondere der Schutz gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis) und Kinderlähmung (Poliomyelitis). Auch der Schutz gegen Masern ist wichtig, da diese hochansteckende Erkrankung in vielen Regionen der Welt noch verbreitet ist. Fehlt eine Auffrischung, lässt sie sich häufig gut mit den anstehenden Reiseimpfungen kombinieren.
Typische Reiseimpfungen im Überblick
Welche Impfungen konkret sinnvoll oder notwendig sind, hängt vom Reiseziel, der Reisezeit, der Art der Reise und dem persönlichen Gesundheitszustand ab. Eine Rucksackreise über Land durch ländliche Gebiete erfordert oft einen umfangreicheren Schutz als ein Aufenthalt in einer gut ausgestatteten Hotelanlage. Zu den häufig empfohlenen Reiseimpfungen zählen:
- Hepatitis A: Die Leberentzündung wird über verunreinigte Lebensmittel und Wasser übertragen und gehört zu den häufigsten impfpräventablen Reisekrankheiten. Eine Impfung wird für nahezu alle Reisen in wärmere Länder mit eingeschränkten Hygienestandards empfohlen.
- Hepatitis B: Die Übertragung erfolgt über Blut und Körperflüssigkeiten, etwa bei medizinischen Eingriffen, Tätowierungen oder ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Besonders bei längeren Aufenthalten oder engerem Kontakt zur Bevölkerung ist der Schutz ratsam.
- Typhus: Diese bakterielle Erkrankung droht ebenfalls bei mangelnder Hygiene und wird über Wasser und Speisen übertragen. Eine Impfung ist vor allem bei Reisen nach Süd- und Südostasien, Afrika sowie in bestimmte Regionen Lateinamerikas sinnvoll.
- Gelbfieber: Die durch Mücken übertragene Viruserkrankung kann schwer verlaufen. In einigen Ländern Afrikas und Südamerikas ist die Impfung vorgeschrieben oder wird dringend empfohlen (mehr dazu weiter unten).
- Tollwut: Die Infektion verläuft nach Ausbruch fast immer tödlich. Eine vorbeugende Impfung ist bei längeren Aufenthalten, bei Reisen in abgelegene Gebiete mit schlechter medizinischer Versorgung und bei zu erwartendem Tierkontakt empfehlenswert.
- Japanische Enzephalitis: Diese ebenfalls von Mücken übertragene Gehirnentzündung kommt in ländlichen Regionen Asiens vor und ist vor allem bei längeren Aufenthalten während der Regenzeit relevant.
- Meningokokken: Eine Impfung gegen bestimmte Erreger der Hirnhautentzündung kann je nach Region und Reiseart angeraten sein und ist beispielsweise für Pilgerreisen nach Saudi-Arabien vorgeschrieben.
- Cholera: Für die meisten Reisenden besteht nur ein geringes Risiko. Bei Aufenthalten in Krisengebieten, Flüchtlingslagern oder bei Tätigkeit im Gesundheits- und Katastrophenhilfebereich kann der Schutz jedoch sinnvoll sein.
Gelbfieber: Pflichtimpfung und internationales Zertifikat
Eine Sonderstellung nimmt die Gelbfieberimpfung ein. Zahlreiche Länder verlangen bei der Einreise einen gültigen Impfnachweis – insbesondere dann, wenn die Reise aus einem oder über ein Gelbfieber-Endemiegebiet führt. Der Nachweis wird in einem internationalen Impfausweis dokumentiert und ist ab dem zehnten Tag nach der Impfung gültig, mittlerweile in der Regel lebenslang. Die Gelbfieberimpfung darf nur von eigens zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen durchgeführt werden. Wer die Einreisebestimmungen seines Ziellandes nicht beachtet, riskiert im schlimmsten Fall die Zurückweisung an der Grenze.
Malaria: kein Impfschutz, aber wirksame Vorsorge
Gegen Malaria gibt es für Reisende bislang keine breit empfohlene Impfung. Die Erkrankung wird durch den Stich der überwiegend nachtaktiven Anopheles-Mücke übertragen und kann – vor allem in der gefährlichen Form Malaria tropica – ohne rasche Behandlung lebensbedrohlich verlaufen. Umso wichtiger ist der konsequente Schutz vor Mückenstichen sowie, je nach Region, eine medikamentöse Vorbeugung.
In Hochrisikogebieten kann eine sogenannte Chemoprophylaxe sinnvoll sein: Dabei werden vorbeugend Medikamente eingenommen, die einer Infektion entgegenwirken. In Regionen mit niedrigerem Risiko wird häufig stattdessen die Mitnahme eines Notfallmedikaments (Stand-by-Therapie) empfohlen, das beim Auftreten verdächtiger Symptome nach ärztlicher Rücksprache eingenommen wird. Welche Variante geeignet ist und welcher Wirkstoff infrage kommt, hängt vom Reiseziel und den dort vorkommenden Resistenzen ab und sollte individuell besprochen werden. Wichtig: Auch unter Prophylaxe ist ein vollständiger Schutz nicht garantiert – Fieber nach einer Tropenreise muss immer ärztlich abgeklärt werden, mitunter noch Wochen oder Monate nach der Rückkehr.
Mückenschutz – die wichtigste Maßnahme vor Ort
Da viele Tropenkrankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber, Chikungunya, Zika und Gelbfieber durch Mücken übertragen werden, ist der konsequente Stichschutz die zentrale Vorsorgemaßnahme – unabhängig davon, ob eine Impfung oder Prophylaxe besteht. Bewährt haben sich folgende Maßnahmen:
- Freie Hautstellen mit Insektenschutzmitteln (Repellents) eincremen, die Wirkstoffe wie DEET oder Icaridin in ausreichender Konzentration enthalten. Repellent stets nach dem Sonnenschutz auftragen.
- Lange, möglichst helle und weite Kleidung tragen; das Imprägnieren von Kleidung mit speziellen Mitteln verstärkt den Schutz zusätzlich.
- In der Dämmerung und nachts besonders vorsichtig sein, da viele Überträgermücken zu diesen Zeiten aktiv sind. Die Tigermücke, die Dengue überträgt, sticht hingegen vor allem tagsüber.
- Unter einem imprägnierten Moskitonetz schlafen und Räume mit Klimaanlage oder Fliegengittern bevorzugen.
Durchfallerkrankungen und Hygiene
Die häufigste Reisekrankheit ist nicht etwa eine exotische Tropeninfektion, sondern der Reisedurchfall. Er entsteht meist durch verunreinigtes Wasser oder belastete Lebensmittel. Eine einfache Merkregel hilft, das Risiko zu senken: „Cook it, boil it, peel it or forget it“ – also nur Gekochtes, Abgekochtes oder selbst Geschältes verzehren. Leitungswasser sollte gemieden, auf Eiswürfel verzichtet und nur abgepacktes oder abgekochtes Wasser getrunken werden. Auch gründliches und häufiges Händewaschen beziehungsweise das Desinfizieren der Hände vor dem Essen schützt.
Kommt es dennoch zu Durchfall, steht der Ausgleich des Flüssigkeits- und Salzverlusts im Vordergrund. Spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke helfen, den Mineralstoffhaushalt zu stabilisieren. Bei hohem Fieber, blutigen Stühlen oder anhaltenden Beschwerden sowie bei Kleinkindern und älteren Menschen ist ärztlicher Rat gefragt.
Die Reiseapotheke richtig zusammenstellen
Eine durchdachte Reiseapotheke gehört in jedes Gepäck. Was hineingehört, richtet sich nach Reiseziel, Reisedauer und individuellen Bedürfnissen. Sinnvoll sind in der Regel:
- Mittel gegen Durchfall sowie Elektrolytpulver zum Ausgleich von Flüssigkeitsverlusten
- Schmerz- und Fiebermittel
- Mittel gegen Übelkeit und Reisekrankheit
- Wund- und Heilsalben, Desinfektionsmittel, Pflaster und Verbandmaterial
- Insektenschutzmittel und ein Präparat zur Linderung von Juckreiz nach Stichen
- Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor und ein Mittel gegen Sonnenbrand
- persönliche Dauermedikamente in ausreichender Menge, am besten im Handgepäck und mit ärztlicher Bescheinigung
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte beim Packen auch an Zeitverschiebungen denken und klären, wie sich die Einnahmezeiten unterwegs anpassen lassen. Für verschreibungspflichtige Präparate empfiehlt sich eine mehrsprachige Bescheinigung, um Probleme bei Grenzkontrollen zu vermeiden.
Besondere Reisegruppen
Manche Reisende benötigen eine besonders sorgfältige Vorbereitung. Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder, ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder geschwächtem Immunsystem sollten sich frühzeitig individuell beraten lassen. Nicht alle Impfstoffe und Malariamedikamente sind für jede Gruppe geeignet, und manche Fernreisen lassen sich besser verschieben oder im Reiseplan anpassen. Auch hier gilt: Je früher die Beratung erfolgt, desto besser lassen sich passende Lösungen finden.
Sonne, Hitze und Klima nicht unterschätzen
Neben Krankheitserregern fordert auch das Klima den Körper. Hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und Luftfeuchtigkeit können zu Sonnenstich, Hitzschlag und Kreislaufproblemen führen. Hilfreich sind ausreichendes Trinken, das Meiden der Mittagshitze, leichte Kleidung, eine Kopfbedeckung und konsequenter Sonnenschutz. In den ersten Tagen sollte man den Körper zudem schonen, um sich an das neue Klima zu gewöhnen.
Fazit: frühzeitig informieren und beraten lassen
Eine gute Reisevorbereitung beginnt lange vor dem Kofferpacken. Wer sich rechtzeitig über die nötigen Impfungen, den Malariaschutz und die richtige Reiseapotheke informiert, kann viele gesundheitliche Risiken deutlich verringern. Da die Empfehlungen stark vom konkreten Reiseziel abhängen und sich Einreisebestimmungen ändern können, lohnt sich eine individuelle reisemedizinische Beratung. Gerne unterstützen wir Sie in der Nord-Apotheke in 68549 Ilvesheim dabei, gut geschützt in den Urlaub zu starten – sprechen Sie uns frühzeitig an, damit Ihrer erholsamen Reise nichts im Wege steht.