Arthrose: Gelenke schützen und Schmerzen wirksam lindern


Bewegung statt Schonung – was den Knorpel erhält

Knie, Hüfte, Finger oder Schulter: Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung weltweit und betrifft mit zunehmendem Alter fast jeden. Dabei nutzt sich der schützende Knorpel, der die Knochenenden im Gelenk überzieht, nach und nach ab. Fehlt diese glatte Gleitschicht, reiben die Knochen stärker aneinander – das Gelenk schmerzt, schwillt an und wird steif. Lange galt Schonung als bestes Rezept. Heute weiß man: Genau das Gegenteil ist richtig. Wer sein Gelenk klug bewegt, sein Gewicht im Blick behält und die Muskulatur kräftigt, kann den Verlauf der Arthrose deutlich günstig beeinflussen und oft jahrelang weitgehend beschwerdefrei bleiben.

Was bei Arthrose im Gelenk passiert

Gesunder Gelenkknorpel ist ein erstaunliches Material: glatt wie Eis, druckelastisch und in der Lage, Stöße abzufedern. Anders als die meisten Gewebe besitzt er jedoch keine eigenen Blutgefäße. Seine Nährstoffe bezieht er ausschließlich aus der Gelenkflüssigkeit – und die gelangt nur durch Bewegung in den Knorpel hinein. Der ständige Wechsel aus Belastung und Entlastung wirkt dabei wie eine Pumpe: Bei jedem Schritt wird Nährflüssigkeit in den Knorpel gedrückt und beim Entlasten werden Abfallstoffe wieder herausbefördert. Wer ein Gelenk dauerhaft schont, unterbricht diese Versorgung – der Knorpel wird schlechter ernährt und baut schneller ab. Das erklärt, warum Bewegung heute als wichtigster Baustein der Arthrose-Behandlung gilt.

Schreitet der Knorpelverschleiß fort, verändern sich auch die umliegenden Strukturen: Der Knochen unter dem Knorpel verdichtet sich, am Gelenkrand können sich knöcherne Anbauten (Osteophyten) bilden, und die Gelenkinnenhaut entzündet sich zeitweise. Dann spricht man von einer aktivierten Arthrose – das Gelenk ist warm, geschwollen und besonders schmerzhaft. Solche Schübe wechseln sich oft mit beschwerdeärmeren Phasen ab.

Typische Anzeichen – und wann Sie zur Ärztin sollten

Eine Arthrose entwickelt sich meist schleichend über Jahre. Achten Sie auf diese typischen Warnzeichen:

  • Anlaufschmerz: Das Gelenk schmerzt und ist steif, wenn Sie es nach einer Ruhepause das erste Mal bewegen – etwa morgens oder nach langem Sitzen. Nach einigen Schritten lässt der Schmerz oft nach.
  • Belastungsschmerz: Treppensteigen, längeres Gehen oder Tragen schwerer Lasten bereiten zunehmend Beschwerden.
  • Bewegungseinschränkung: Das Gelenk lässt sich nicht mehr vollständig beugen oder strecken.
  • Reibegeräusche: Manche spüren oder hören beim Bewegen ein Knirschen oder Reiben.
  • Wetterfühligkeit: Viele Betroffene berichten über stärkere Beschwerden bei feucht-kaltem Wetter.

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn Gelenkschmerzen länger anhalten, in Ruhe oder nachts auftreten oder ein Gelenk plötzlich stark anschwillt, heiß wird und sich rötet. Solche Zeichen können auf eine ausgeprägte Entzündung oder eine andere Ursache hinweisen, die abgeklärt werden sollte. Die Diagnose stellt die Ärztin über das Gespräch, eine körperliche Untersuchung und meist ein Röntgenbild.

Bewegung: die wichtigste „Medizin“

Mehr als 20 medizinische Fachgesellschaften sind sich heute einig: Gezielte Bewegung ist die tragende Säule der Arthrose-Behandlung – nicht die Schonung. Regelmäßige, gelenkschonende Aktivität ernährt den Knorpel, hält das Gelenk beweglich, kräftigt die stützende Muskulatur und kann Schmerzen spürbar lindern. Besonders empfehlenswert sind Bewegungsformen mit wenig Stoßbelastung:

  • Schwimmen und Wassergymnastik: Im Wasser trägt der Auftrieb bis zu 90 Prozent des Körpergewichts. Die Gelenke werden entlastet, während der Wasserwiderstand die Muskeln kräftigt. Besonders schonend ist Kraulen oder Rückenschwimmen.
  • Radfahren oder Ergometer: Die gleichmäßige, runde Bewegung „schmiert“ das Gelenk, ohne es zu stauchen – ideal bei Knie- und Hüftarthrose. Achten Sie auf eine nicht zu niedrige Sattelhöhe und einen leichten Gang.
  • Walking und Nordic Walking: Gehen auf weichem Untergrund mit gutem Schuhwerk schont die Gelenke; Stöcke nehmen zusätzlich Druck von Knie und Hüfte.
  • Gezieltes Kräftigungs- und Dehntraining: Eine kräftige Muskulatur stabilisiert das Gelenk und fängt Belastungen ab. So wird der Knorpel entlastet.

Wichtig ist das richtige Maß: Bewegen Sie sich regelmäßig, aber ohne das Gelenk zu überlasten. Ein leichter Muskelkater ist in Ordnung, zunehmende Gelenkschmerzen nach dem Training sind hingegen ein Signal, kürzer zu treten. In einem akuten Entzündungsschub mit stark geschwollenem, heißem Gelenk steht dagegen kurzfristig Schonung im Vordergrund – sobald der Schub abklingt, sollten Sie das Gelenk wieder behutsam bewegen.

Gewicht reduzieren – jedes Kilo zählt

Bei jedem Schritt wirkt auf das Kniegelenk ein Vielfaches des Körpergewichts. Überflüssige Pfunde belasten daher vor allem die tragenden Gelenke von Knie und Hüfte erheblich. Schon eine moderate Gewichtsabnahme entlastet die Gelenke spürbar und kann Schmerzen verringern. Hinzu kommt: Fettgewebe ist nicht nur passiver Ballast, sondern bildet Botenstoffe, die Entzündungen im Körper fördern können. Eine Gewichtsreduktion wirkt deshalb doppelt – mechanisch und entzündungshemmend. Eine ausgewogene, eher pflanzenbetonte Ernährung mit reichlich Gemüse, hochwertigen Pflanzenölen und Fisch und wenig Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln unterstützt dieses Ziel.

Physiotherapie und Hilfsmittel

In der Physiotherapie lernen Sie unter fachlicher Anleitung Übungen, die genau auf Ihr betroffenes Gelenk zugeschnitten sind. Ziel ist es, die umgebende Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu erhalten und Fehlhaltungen auszugleichen. Das Entscheidende ist, diese Übungen anschließend dauerhaft und eigenständig zu Hause weiterzuführen – Arthrose-Training ist ein Dauerauftrag, kein einmaliges Programm. Ergänzend können weitere Maßnahmen den Alltag erleichtern:

  • Dämpfende, gut sitzende Schuhe und bei Bedarf orthopädische Einlagen verringern die Stoßbelastung.
  • Ein Gehstock – auf der dem schmerzenden Bein gegenüberliegenden Seite geführt – entlastet Hüfte und Knie.
  • Wärme (etwa Körnerkissen oder warme Bäder) tut bei steifen Gelenken gut, Kälte hilft eher bei akut entzündeten, geschwollenen Gelenken.
  • Hilfsmittel wie Greifzangen oder erhöhte Sitzgelegenheiten schonen die Gelenke im Alltag.

Schmerzen gezielt behandeln

Reichen Bewegung und begleitende Maßnahmen nicht aus, können Medikamente die Schmerzen lindern und so überhaupt erst wieder Bewegung ermöglichen. Häufig kommen entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz – als Tablette oder als Gel zum Auftragen auf das Gelenk. Schmerzgele haben den Vorteil, dass sie den Magen-Darm-Trakt weniger belasten. NSAR-Tabletten sollten möglichst niedrig dosiert und nur so lange wie nötig eingenommen werden, da sie auf Dauer Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System belasten können. Bei akut stark entzündeten Gelenken kann die Ärztin auch ein Kortisonpräparat direkt in das Gelenk spritzen.

Lassen Sie sich in unserer Apotheke beraten, welches Präparat für Sie geeignet ist – gerade wenn Sie weitere Medikamente einnehmen oder Vorerkrankungen haben. Wir achten für Sie auf mögliche Wechselwirkungen und geben Ihnen Tipps zur richtigen Anwendung. Auch zu Nahrungsergänzungsmitteln, die bei Arthrose oft beworben werden, informieren wir Sie gerne ehrlich: Ihr Nutzen ist wissenschaftlich umstritten, eine gesunde Lebensweise können sie nicht ersetzen.

Wenn nichts mehr hilft: der künstliche Gelenkersatz

Ist ein Gelenk weit fortgeschritten zerstört und schränken die Schmerzen den Alltag trotz aller Maßnahmen stark ein, kann ein künstliches Gelenk (Endoprothese) die Lebensqualität deutlich verbessern. Vor allem der Ersatz von Hüft- und Kniegelenken gehört heute zu den häufigsten und erfolgreichsten Operationen überhaupt. Eine solche Entscheidung will jedoch gut überlegt sein und sollte gemeinsam mit erfahrenen Orthopädinnen und Orthopäden getroffen werden – erst dann, wenn die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Das können Sie selbst tun

Arthrose lässt sich nicht heilen, aber Sie haben es in vielen Punkten selbst in der Hand, wie es Ihren Gelenken geht. Bleiben Sie in Bewegung, ohne zu überlasten. Halten Sie ein gesundes Körpergewicht. Kräftigen Sie regelmäßig Ihre Muskeln und gönnen Sie Ihren Gelenken Abwechslung aus Belastung und Erholung. Bauen Sie Bewegung fest in den Alltag ein – mit der Treppe statt dem Aufzug, einem Spaziergang nach dem Essen oder dem Rad für kurze Wege. So stärken Sie Ihre Gelenke jeden Tag ein Stück. Wir von der Nord-Apotheke in Ilvesheim unterstützen Sie dabei gerne mit persönlicher Beratung rund um Schmerztherapie, Bewegung und einen gelenkfreundlichen Alltag.

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