Gicht: Harnsäure senken und schmerzhafte Schübe vermeiden


Warum der Harnsäurespiegel entgleist – und wie sich akute Anfälle und Folgeschäden verhindern lassen

Gicht gehört zu den ältesten bekannten Stoffwechselerkrankungen – und sie ist heute häufiger denn je. Schuld daran sind reichlich Fleisch, Alkohol und Übergewicht. Im Zentrum steht ein einziger Wert: die Harnsäure im Blut. Steigt sie über einen kritischen Punkt, bilden sich winzige Kristalle, die sich in Gelenken ablagern und dort heftige, brennende Schmerzen auslösen können. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Ernährung, einigen Lebensstil-Änderungen und – wenn nötig – Medikamenten lässt sich Gicht meist gut in den Griff bekommen.

Wie Gicht entsteht

Harnsäure ist ein ganz normales Abbauprodukt des Körpers. Sie entsteht, wenn sogenannte Purine zerlegt werden. Purine stecken zum einen in körpereigenen Zellen, die laufend erneuert werden, zum anderen nehmen wir sie über die Nahrung auf – vor allem über Fleisch, Innereien und bestimmte Fischsorten. Normalerweise scheiden die Nieren die Harnsäure zuverlässig mit dem Urin aus, sodass der Spiegel im Gleichgewicht bleibt.

Bei Gicht ist dieses Gleichgewicht gestört. In den allermeisten Fällen können die Nieren die Harnsäure nicht schnell genug loswerden, seltener produziert der Körper davon zu viel. Übersteigt die Konzentration im Blut etwa 6,8 Milligramm pro Deziliter, ist die Flüssigkeit gewissermaßen übersättigt. Dann fällt die überschüssige Harnsäure als feine, nadelförmige Kristalle aus. Bevorzugt geschieht das in kühleren, schlechter durchbluteten Körperregionen – weshalb so oft das Grundgelenk der großen Zehe betroffen ist.

Wichtig zu wissen: Ein erhöhter Harnsäurewert allein bedeutet noch keine Gicht. Viele Menschen leben jahrelang mit hohen Werten, ohne je Beschwerden zu bekommen. Erst wenn sich Kristalle bilden und das Immunsystem darauf mit einer Entzündung reagiert, spricht man von einem Gichtanfall.

Der akute Gichtanfall

Ein typischer Anfall kommt wie aus dem Nichts, häufig in der Nacht oder den frühen Morgenstunden. Innerhalb weniger Stunden wird ein Gelenk – klassisch die große Zehe, aber auch Sprunggelenk, Knie, Finger oder Handgelenk – stark schmerzhaft. Es schwillt an, ist gerötet, überwärmt und so empfindlich, dass schon die Berührung durch die Bettdecke kaum auszuhalten ist. Manche Betroffene können das betroffene Bein gar nicht mehr belasten.

Ausgelöst wird ein solcher Anfall oft durch ein üppiges Essen, reichlich Alkohol – vor allem Bier –, eine strenge Fastenkur, große körperliche Anstrengung oder eine fieberhafte Infektion. Auch bestimmte Medikamente wie entwässernde Mittel können einen Anfall begünstigen. Unbehandelt klingt die Entzündung meist nach einigen Tagen bis zu zwei Wochen von selbst wieder ab. Das verleitet dazu, das Problem auf die leichte Schulter zu nehmen – ein Fehler, denn die Ursache bleibt bestehen.

Im akuten Anfall gilt: das Gelenk ruhigstellen und hochlagern, vorsichtig kühlen und reichlich trinken. Gegen Schmerz und Entzündung helfen Medikamente, die Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gezielt auswählt. Bewährt haben sich entzündungshemmende Schmerzmittel, in bestimmten Fällen auch Colchicin oder Kortisonpräparate. Wichtig: Mit dem Senken der Harnsäure beginnt man in der Regel nicht mitten im Anfall, da starke Schwankungen die Beschwerden zunächst verschlimmern können. Lassen Sie sich dazu in unserer Apotheke oder von Ihrer Praxis beraten.

Warum Gicht nicht harmlos ist

Wer wiederholte Anfälle einfach aussitzt, riskiert auf Dauer ernste Folgen. Bleiben die Harnsäurewerte über Jahre erhöht, lagern sich immer mehr Kristalle ab. Es können sich tastbare Knoten bilden, sogenannte Tophi – etwa an den Ohrmuscheln, Fingern oder am Ellbogen. In den Gelenken selbst führen die Ablagerungen zu bleibenden Schäden an Knorpel und Knochen, bis hin zu Verformungen und dauerhaft eingeschränkter Beweglichkeit.

Auch die Nieren leiden: Harnsäurekristalle können dort Nierensteine bilden und das Gewebe schädigen. Hinzu kommt, dass Gicht selten allein auftritt. Häufig geht sie einher mit Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten und Typ-2-Diabetes. Diese Kombination belastet Herz und Gefäße zusätzlich. Eine konsequente Behandlung der Gicht ist deshalb immer auch ein Beitrag zur allgemeinen Gesundheit.

Den Harnsäurespiegel mit der Ernährung senken

Die Ernährung ist der wichtigste Hebel, den Sie selbst in der Hand haben. Es geht dabei nicht um strenges Verzichten, sondern um eine kluge Auswahl. Diese Empfehlungen helfen, die Harnsäure zu senken:

  • Fleisch und Innereien reduzieren: Besonders purinreich sind Innereien wie Leber und Niere, aber auch Wild und fettes Fleisch. Wer den Konsum deutlich einschränkt, entlastet den Stoffwechsel spürbar.
  • Bei Fisch wählerisch sein: Sardinen, Sardellen, Hering und Meeresfrüchte enthalten viele Purine. Magere Fischsorten in Maßen sind dagegen meist unproblematisch.
  • Alkohol meiden, vor allem Bier: Bier ist doppelt ungünstig, weil es purinreich ist und gleichzeitig die Ausscheidung der Harnsäure hemmt. Auch hochprozentige Getränke wirken sich negativ aus.
  • Zucker und Fruchtzucker begrenzen: Süße Limonaden, Fruchtsäfte und stark gezuckerte Speisen treiben den Harnsäurespiegel in die Höhe. Greifen Sie lieber zu Wasser und ungesüßtem Tee.
  • Viel trinken: Zwei bis drei Liter Wasser oder ungesüßter Tee am Tag unterstützen die Nieren beim Ausscheiden der Harnsäure – vorausgesetzt, es spricht aus ärztlicher Sicht nichts dagegen.
  • Gemüse, Vollkorn und Milchprodukte bevorzugen: Die meisten Gemüsesorten sind erlaubt. Fettarme Milchprodukte können sogar helfen, den Harnsäurespiegel zu senken.

Eine alte Faustregel besagte, man müsse auch purinreiche Gemüse wie Hülsenfrüchte, Spinat oder Spargel streng meiden. Heute weiß man: Purine aus pflanzlichen Quellen erhöhen das Gichtrisiko kaum. Sie dürfen daher bedenkenlos auf dem Speiseplan stehen und sind als Eiweißlieferanten sogar wertvoll.

Lebensstil: kleine Schritte mit großer Wirkung

Neben der Ernährung zahlt sich ein gesunder Lebensstil aus. Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor – schon eine moderate, langsame Gewichtsabnahme kann die Harnsäurewerte deutlich verbessern. Wichtig ist dabei Geduld: Radikale Crash-Diäten oder strenges Fasten bewirken das Gegenteil, weil dabei vermehrt Harnsäure freigesetzt wird und ein Anfall droht.

Regelmäßige, moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen hält das Gewicht im Lot und tut Herz und Kreislauf gut. Achten Sie außerdem auf ausreichend Schlaf und versuchen Sie, Stress abzubauen. Wer raucht, sollte über einen Rauchstopp nachdenken – das schützt zugleich die Gefäße, die bei Gicht ohnehin häufig belastet sind.

Wann Medikamente sinnvoll sind

Reichen Ernährung und Lebensstil nicht aus oder treten die Anfälle gehäuft auf, ist eine dauerhafte medikamentöse Senkung der Harnsäure angezeigt. Das gilt besonders, wenn sich bereits Tophi oder Nierensteine gebildet haben oder die Werte sehr hoch sind. Am häufigsten kommt ein Wirkstoff zum Einsatz, der die Bildung von Harnsäure im Körper drosselt. So lässt sich der Spiegel gezielt unter die kritische Schwelle bringen.

Eine solche Therapie wirkt nur, wenn sie regelmäßig und meist über viele Jahre, oft lebenslang, eingenommen wird – auch in beschwerdefreien Zeiten. Genau hier liegt eine häufige Stolperfalle: Viele setzen das Medikament ab, sobald die Schmerzen verschwunden sind, und der Harnsäurespiegel steigt wieder. In den ersten Wochen einer solchen Behandlung kann es vorübergehend sogar zu mehr Anfällen kommen, weshalb anfangs oft ein zusätzliches Mittel zum Schutz verordnet wird. Lassen Sie die Werte regelmäßig kontrollieren und brechen Sie die Einnahme nicht eigenmächtig ab.

Wir beraten Sie gern

Gicht ist gut behandelbar – entscheidend sind ein dauerhaft gesenkter Harnsäurespiegel und das konsequente Dranbleiben. Wenn Sie unsicher sind, welche Lebensmittel günstig sind, wie Sie Ihre Medikamente richtig einnehmen oder welche frei verkäuflichen Mittel sich mit Ihrer Therapie vertragen, kommen Sie einfach in der Nord-Apotheke in 68549 Ilvesheim vorbei. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen und unterstützen Sie dabei, schmerzhafte Schübe und Folgeschäden langfristig zu vermeiden.

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