Insektenstiche: Beschwerden lindern und allergische Reaktionen erkennen
Ein Stich von Mücke, Wespe oder Biene gehört zu den häufigsten kleinen Ärgernissen des Sommers. Meist sind die Beschwerden harmlos und klingen nach wenigen Stunden bis Tagen von selbst ab. Mit ein paar einfachen Maßnahmen lassen sich Juckreiz, Schwellung und Schmerz deutlich lindern. Wichtig ist aber zu wissen, wann hinter einem Stich mehr stecken kann – etwa eine allergische Reaktion, die rasches Handeln erfordert.
Warum Insektenstiche jucken und anschwellen
Wenn ein Insekt sticht oder beißt, gelangen Speichel oder Gift in die Haut. Diese Stoffe enthalten Eiweiße, die der Körper als fremd erkennt. Als Antwort schütten bestimmte Abwehrzellen den Botenstoff Histamin aus. Histamin erweitert die kleinen Blutgefäße und macht sie durchlässiger. Die Folge ist die typische Quaddel: eine gerötete, leicht erhabene und juckende Schwellung rund um die Einstichstelle. Bei Mückenstichen ist vor allem der Juckreiz lästig, bei Wespen- und Bienenstichen steht zunächst der brennende Schmerz im Vordergrund. Dass eine Stichstelle anschwillt und juckt, ist also zunächst eine ganz normale Reaktion des Immunsystems und noch kein Zeichen für eine Allergie.
Erste Hilfe: So lindern Sie die Beschwerden
Bleibt nach einem Bienenstich der Stachel in der Haut stecken, sollten Sie ihn zügig entfernen, denn aus dem anhängenden Giftsack kann weiter Gift nachfließen. Kratzen Sie den Stachel am besten seitlich mit dem Fingernagel oder einer Pinzette heraus. Drücken Sie ihn nicht zwischen zwei Fingern zusammen, weil so zusätzliches Gift in die Haut gepresst werden kann. Reinigen Sie die Stelle anschließend mit Wasser.
Das wirksamste Hausmittel ist Kälte. Kühlen Sie den Stich mit einem feuchten, kühlen Umschlag, einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack oder fließendem kaltem Wasser. Kälte verengt die Gefäße, bremst die Ausbreitung des Histamins und dämpft so Schwellung, Schmerz und Juckreiz. Legen Sie Kühlpacks nie direkt auf die Haut, sondern immer mit einer Stofflage dazwischen, um Erfrierungen zu vermeiden.
Hilfreich kann auch Hitze sein: Spezielle Stichheiler aus der Apotheke erwärmen die Einstichstelle für wenige Sekunden auf etwa 50 Grad. Die kurze, lokale Hitze soll die eiweißartigen Bestandteile des Insektengifts verändern und dadurch Juckreiz und Schwellung verringern. Solche Geräte eignen sich gut für unterwegs, sollten aber bei Kindern und an empfindlichen Stellen vorsichtig und nach Anleitung eingesetzt werden.
Gegen den Juckreiz gilt vor allem: nicht kratzen. So verständlich der Reiz ist – Kratzen reizt die Haut zusätzlich, der Juckreiz nimmt zu, und durch die kleinen Verletzungen können Bakterien eindringen und eine Entzündung auslösen. Wer den Drang kaum aushält, kann die Stelle stattdessen leicht kühlen oder sanft drücken.
Welche Mittel aus der Apotheke helfen
Für stärkeren Juckreiz und größere Schwellungen gibt es in der Apotheke verschiedene Präparate, die Sie ohne Rezept erhalten:
- Gele und Cremes mit Antihistaminika hemmen die Wirkung des Histamins direkt an der Haut und lindern so Juckreiz und Quaddelbildung.
- Kühlende Gele, zum Beispiel mit Menthol oder einem hohen Anteil Feuchtigkeit, verschaffen rasch ein angenehmes Gefühl und dämpfen den Juckreiz.
- Niedrig dosierte Hydrokortison-Cremes wirken entzündungshemmend und sind bei besonders stark juckenden oder geröteten Stichen sinnvoll. Sie sollten nur kurzzeitig und nicht großflächig angewendet werden.
- Antihistaminika zum Einnehmen (Tabletten oder Tropfen) können bei sehr ausgeprägtem Juckreiz oder mehreren Stichen helfen.
Bei Schmerzen – etwa nach einem Wespenstich – können schmerzstillende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol kurzfristig Linderung bringen. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten, welches Mittel für Sie, Ihr Kind oder in der Schwangerschaft geeignet ist, und beachten Sie stets die Hinweise in der Packungsbeilage.
Allergische Reaktion erkennen
Bei manchen Menschen reagiert das Immunsystem überschießend auf Insektengift, am häufigsten auf das von Bienen und Wespen. Man unterscheidet dabei zwischen einer örtlich begrenzten und einer den ganzen Körper betreffenden, also systemischen Reaktion.
Eine starke örtliche Reaktion zeigt sich daran, dass die Schwellung größer als etwa zehn Zentimeter wird und länger als 24 Stunden anhält. Das ist unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich. Kühlen, ein abschwellendes Gel und gegebenenfalls ein Antihistaminikum helfen meist gut.
Ernster ist eine systemische allergische Reaktion. Warnzeichen, die innerhalb von Minuten bis zu etwa einer Stunde nach dem Stich auftreten können, sind:
- Quaddeln, Hautausschlag oder Juckreiz auch an Körperstellen, die weit vom Stich entfernt liegen
- Anschwellen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen
- Atemnot, pfeifende Atmung oder ein Engegefühl in Hals oder Brust
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe oder Durchfall
- Herzrasen, Schwindel, Schweißausbruch oder Kreislaufschwäche bis hin zur Ohnmacht
Treten solche Beschwerden auf, kann sich daraus ein lebensbedrohlicher allergischer Schock (Anaphylaxie) entwickeln. Dann zählt jede Minute.
Notfall: Stich im Mund- und Rachenraum
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein Insekt in Mund oder Rachen sticht – etwa weil eine Wespe in einem Getränk oder auf einem Stück Kuchen saß. Die Schleimhäute können so stark anschwellen, dass die Atemwege bedroht sind, und zwar auch bei Menschen ohne bekannte Allergie. Lassen Sie Betroffene Eiswürfel lutschen oder den Hals von außen kühlen und rufen Sie umgehend den Notruf 112.
Im Notfall richtig handeln
Wenn Sie Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion bemerken, rufen Sie sofort den Notruf 112. Menschen mit bekannter Insektengiftallergie tragen häufig ein Notfallset bei sich. Es enthält in der Regel ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat sowie einen Adrenalin-Autoinjektor (Adrenalin-Pen). Der Adrenalin-Pen sollte bei deutlichen Allgemeinsymptomen wie Atemnot oder Kreislaufproblemen ohne Zögern in den äußeren Oberschenkel gespritzt werden – notfalls auch durch die Kleidung. Lagern Sie Betroffene mit erhöhten Beinen, bei Atemnot dagegen eher mit erhöhtem Oberkörper, und lassen Sie sie nicht allein, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wer schon einmal eine starke allergische Reaktion hatte, sollte das Set immer griffbereit haben und das Verfallsdatum regelmäßig prüfen – Ihre Apotheke hilft beim Überprüfen und Nachbestellen.
Stichen vorbeugen
Ganz vermeiden lassen sich Stiche kaum, doch einige Maßnahmen senken das Risiko deutlich. Verzichten Sie im Freien auf stark süße Speisen und Getränke und decken Sie diese ab; Wespen werden davon angelockt. Trinken Sie im Garten nicht direkt aus Flaschen oder Dosen, sondern aus einem Glas, das Sie einsehen können. Schlagen Sie nicht hektisch nach Bienen und Wespen, denn ruckartige Bewegungen reizen die Tiere. Gegen Mücken helfen Insektenschutzmittel (Repellents), Moskitonetze, langärmelige helle Kleidung sowie Fliegengitter an den Fenstern. Wer barfuß über blühende Wiesen geht, riskiert Bienenstiche an den Füßen – festes Schuhwerk schützt.
Wann zum Arzt oder in die Apotheke?
In den meisten Fällen können Sie einen Insektenstich gut selbst versorgen. Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn die Stichstelle stark anschwillt, sich erwärmt, nässt oder sich ein roter Streifen in Richtung Körper bildet – das können Zeichen einer bakteriellen Infektion sein. Auch wenn Beschwerden nach einigen Tagen nicht abklingen, bei Stichen im Mundraum, bei sehr vielen Stichen auf einmal oder nach einem Zeckenbiss mit anschließender ringförmiger Rötung ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Besteht der Verdacht auf eine Insektengiftallergie, kann eine allergologische Untersuchung Klarheit schaffen; in vielen Fällen ist eine Hyposensibilisierung möglich, die das Risiko schwerer Reaktionen langfristig senkt.
Ihr Team der Nord-Apotheke berät Sie gern zu geeigneten Gelen, Cremes und Tabletten, zur richtigen Versorgung von Stichen und zur Zusammenstellung einer gut bestückten Reise- und Hausapotheke für die warme Jahreszeit.