Reiseübelkeit und Reisekrankheit vorbeugen
Endlich Urlaub – doch kaum hat die Reise begonnen, meldet sich der Magen: Erst wird einem flau, dann steigt Schweiß auf die Stirn, der Speichel läuft zusammen und schließlich folgt die Übelkeit. Wer schon einmal auf einer kurvigen Bergstraße, an Bord einer Fähre oder im Flugzeug von der Reisekrankheit erwischt wurde, weiß, wie quälend das sein kann. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Verhaltensregeln und den richtigen Mitteln aus der Apotheke lässt sich die sogenannte Kinetose in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen – oder ganz vermeiden.
Warum uns das Reisen übel macht
Hinter der Reisekrankheit steckt ein Missverständnis im Gehirn. Unser Gleichgewichtsorgan im Innenohr meldet ständig, in welche Richtung und wie stark sich der Körper bewegt. Gleichzeitig liefern die Augen Bilder von der Umgebung. Normalerweise passen beide Informationen zusammen. Auf Reisen jedoch geraten sie in Widerspruch: Sitzen Sie im Auto und lesen ein Buch, signalisieren die Augen „Stillstand“, während das Innenohr jede Kurve und jedes Bremsmanöver registriert. Das Gehirn kann die widersprüchlichen Signale nicht zuordnen und reagiert mit einem Alarmprogramm – ähnlich wie bei einer Vergiftung. Die Folge sind Blässe, Kaltschweiß, vermehrter Speichelfluss, Gähnen, Kopfschmerzen und schließlich Übelkeit bis hin zum Erbrechen.
Besonders häufig trifft es Kinder zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr; auch Schwangere und Frauen reagieren oft empfindlicher. Säuglinge und sehr alte Menschen sind dagegen kaum betroffen. Wie stark jemand reagiert, ist zudem von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und teilweise erblich veranlagt. Wer einmal weiß, dass er anfällig ist, kann gezielt vorbeugen.
Der richtige Platz macht den Unterschied
Die wirksamste Maßnahme kostet nichts: den Blick mit der Bewegung in Einklang bringen. Schauen Sie aus dem Fenster in die Ferne und fixieren Sie möglichst den Horizont oder einen festen Punkt voraus. So erhalten die Augen dieselbe Information wie das Innenohr. Vermeiden Sie es dagegen, während der Fahrt zu lesen, auf das Smartphone zu schauen oder im Auto rückwärts zu sitzen.
Je nach Verkehrsmittel hilft die Wahl des Sitzplatzes:
- Auto: vorne sitzen, am besten selbst fahren – wer lenkt, bekommt fast nie Reiseübelkeit, weil er die Bewegungen vorausahnt.
- Bus und Bahn: einen Fensterplatz in Fahrtrichtung wählen, möglichst weit vorne, wo es weniger schaukelt.
- Schiff: in der Schiffsmitte aufhalten, dort sind die Schwankungen am geringsten; an Deck den Horizont anschauen.
- Flugzeug: ein Platz über den Tragflächen liegt im ruhigsten Bereich der Maschine.
Für frische Luft sorgen, die Lüftung auf das Gesicht richten oder das Fenster einen Spalt öffnen. Stickige Luft, Zigarettenrauch und intensive Gerüche – etwa von Speisen oder Parfüm – verstärken die Übelkeit. Legen Sie bei langen Autofahrten regelmäßig Pausen ein, bewegen Sie sich und atmen Sie tief durch.
Vor und während der Reise richtig essen und trinken
Mit leerem Magen zu reisen ist ebenso ungünstig wie ein üppiges, fettiges Essen. Empfehlenswert ist eine leichte, kohlenhydratreiche Mahlzeit vor Reiseantritt, etwa ein Stück Zwieback, ein dünn belegtes Brot oder etwas Obst. Während der Fahrt helfen kleine Snacks wie Salzstangen oder Trockenobst, den Magen zu beruhigen. Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee in kleinen Schlucken. Verzichten Sie schon am Vorabend auf Alkohol und während der Reise auf Kaffee, fettige oder stark gewürzte Speisen.
Pflanzliche Hilfe und sanfte Methoden
Als bewährtes pflanzliches Mittel gilt Ingwer. Die Knolle kann den Brechreiz lindern – ob als Tee, kandierte Stückchen, Bonbons oder als standardisiertes Fertigarzneimittel in Kapselform. Ein Vorteil: Ingwer macht nicht müde und beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit nicht, ist also auch für Autofahrer und für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Manchen Reisenden helfen außerdem Akupressur-Armbänder, die mit einer kleinen Noppe Druck auf einen Punkt am Handgelenk ausüben. Ein wissenschaftlicher Wirknachweis fehlt zwar, doch da diese Bänder frei von Nebenwirkungen sind, ist ein Versuch unbedenklich. Wenig sinnvoll sind dagegen Präparate mit Vitamin B6 – ein verlässlicher Effekt gegen Reiseübelkeit ist hier nicht belegt.
Medikamente aus der Apotheke
Reicht das alles nicht aus, gibt es wirksame Arzneimittel. Am gebräuchlichsten sind Antihistaminika der ersten Generation mit den Wirkstoffen Dimenhydrinat oder Diphenhydramin. Sie dämpfen das Brechzentrum im Gehirn und sind rezeptfrei als Tabletten, Kaugummis, Zäpfchen oder Saft erhältlich – letztere Formen eignen sich auch für Kinder. Wichtig: Diese Mittel machen häufig müde, weshalb Fahrzeugführer sie nicht einnehmen sollten. Nehmen Sie die Tablette etwa 30 bis 60 Minuten vor Reiseantritt ein, damit der Wirkstoff rechtzeitig wirkt.
Für lange Seereisen oder ausgeprägte Beschwerden gibt es zudem Pflaster mit dem verschreibungspflichtigen Wirkstoff Scopolamin. Sie werden einige Stunden vor der Reise hinter das Ohr geklebt und geben den Wirkstoff über bis zu drei Tage gleichmäßig ab. Diese Pflaster verordnet die Ärztin oder der Arzt; sie eignen sich nicht für Kinder. Lassen Sie sich zu allen Mitteln, zur passenden Dosierung und zu möglichen Wechselwirkungen am besten persönlich beraten.
Wenn die Übelkeit doch kommt
Macht sich trotz aller Vorsicht Übelkeit bemerkbar, halten Sie möglichst an oder legen Sie eine Pause ein. Frische Luft, ruhiges, tiefes Atmen und der Blick in die Ferne bringen oft rasche Linderung. Schließen viele Betroffene die Augen oder legen den Kopf zurück und versuchen zu schlafen – im Schlaf treten die widersprüchlichen Sinnesreize nicht auf, und die Beschwerden verschwinden. Nach Erbrechen ist es wichtig, den Flüssigkeitsverlust durch schluckweises Trinken auszugleichen, besonders bei Kindern.
Mit der richtigen Vorbereitung muss die Reiseübelkeit Ihnen den Urlaub nicht verderben. Planen Sie Ihre Reiseapotheke rechtzeitig und denken Sie bei der Sitzplatzwahl und beim Proviant an die kleinen Kniffe – dann kommen Sie entspannt und wohlbehalten an Ihrem Ziel an. Gerne stellen wir Ihnen Ihre persönliche Reiseapotheke zusammen und beraten Sie, welches Mittel für Sie und Ihre Familie am besten geeignet ist.