Impfungen für Senioren: Welcher Schutz im Alter wirklich sinnvoll ist


Mit den richtigen Impfungen gesund durchs Alter

Mit den Jahren verändert sich das Immunsystem. Es reagiert langsamer und weniger schlagkräftig auf Krankheitserreger – Fachleute sprechen von der Immunseneszenz. Die Folge: Infektionen treffen ältere Menschen oft härter, verlaufen länger und führen häufiger zu Komplikationen oder Krankenhausaufenthalten als bei Jüngeren. Gleichzeitig wirken manche Impfungen im Alter etwas schwächer. Genau deshalb hat die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut für Menschen ab 60 Jahren ein eigenes Impfprogramm entwickelt, das gezielt vor den gefährlichsten Erregern schützt. Wir geben Ihnen einen Überblick darüber, welche Impfungen wirklich sinnvoll sind – und warum.

Warum der Impfschutz im Alter so wichtig ist

Ein gut funktionierendes Immunsystem hält Krankheitserreger in Schach, bevor sie größeren Schaden anrichten. Im höheren Lebensalter lässt diese Abwehrkraft jedoch nach. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herzschwäche oder eine Lungenerkrankung mitbringen. Solche Vorerkrankungen erhöhen das Risiko, dass eine an sich harmlose Infektion einen schweren Verlauf nimmt. Eine Lungenentzündung oder eine Grippe kann dann lebensbedrohlich werden. Impfungen sind die wirksamste Möglichkeit, diesem Risiko vorzubeugen – sie verhindern nicht jede Ansteckung, mildern aber den Krankheitsverlauf erheblich und schützen vor den gefürchteten Komplikationen.

Gürtelrose: schmerzhaft und oft unterschätzt

Die Gürtelrose (Herpes zoster) wird durch dasselbe Virus ausgelöst wie die Windpocken. Wer als Kind Windpocken hatte, trägt den Erreger ein Leben lang in sich. Lässt die Immunabwehr im Alter nach, kann das Virus reaktiviert werden und sich als schmerzhafter, gürtelförmiger Hautausschlag bemerkbar machen. Besonders gefürchtet ist eine Komplikation, die Post-Zoster-Neuralgie: Dabei bleiben die Nervenschmerzen über Monate oder sogar Jahre bestehen, nachdem der Ausschlag längst abgeheilt ist. Etwa jede dritte Person erkrankt im Laufe des Lebens an einer Gürtelrose, das Risiko steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.

Die STIKO empfiehlt allen Menschen ab 60 Jahren die Impfung gegen Gürtelrose mit einem Totimpfstoff. Dieser wird zweimal im Abstand von zwei bis sechs Monaten in den Oberarm gespritzt. Der Impfstoff bietet einen sehr guten und langanhaltenden Schutz – sowohl vor der Erkrankung selbst als auch vor der quälenden Post-Zoster-Neuralgie. Wichtig: Der frühere Lebendimpfstoff gilt als deutlich weniger wirksam und wird nicht mehr empfohlen.

Pneumokokken: Schutz vor Lungenentzündung

Pneumokokken sind Bakterien, die unter anderem eine Lungenentzündung, eine Hirnhautentzündung oder eine Blutvergiftung auslösen können. Gerade bei älteren Menschen verlaufen solche Infektionen oft schwer und müssen häufig im Krankenhaus behandelt werden. Die STIKO empfiehlt deshalb allen Personen ab 60 Jahren eine einmalige Impfung gegen Pneumokokken. Aktuell wird dafür ein Konjugatimpfstoff verwendet, der gegen die im Alter besonders relevanten Bakterientypen schützt. Anders als die Grippeimpfung muss sie in der Regel nicht jährlich wiederholt werden; ob und wann eine Auffrischung sinnvoll ist, klären Sie am besten individuell mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Grippe (Influenza): jedes Jahr aufs Neue

Die echte Grippe ist keine harmlose Erkältung. Sie kann mit hohem Fieber, starkem Krankheitsgefühl und tagelanger Bettlägerigkeit einhergehen – und bei älteren Menschen zu schweren Komplikationen wie einer Lungenentzündung führen. Weil sich die Grippeviren ständig verändern, muss der Impfschutz jedes Jahr erneuert werden. Die STIKO empfiehlt Menschen ab 60 Jahren die jährliche Grippeimpfung, und zwar mit einem speziellen Hochdosis-Impfstoff. Dieser enthält eine höhere Menge an Antigenen und wirkt bei Seniorinnen und Senioren nachweislich besser als die üblichen Impfstoffe. Der ideale Zeitpunkt für die Impfung liegt im Herbst, etwa zwischen Oktober und Mitte Dezember, bevor die Grippewelle ihren Höhepunkt erreicht.

Diese Impfungen sollten Sie ebenfalls im Blick behalten

Neben den drei genannten Impfungen gibt es weitere, die im Alter wichtig bleiben:

  • Tetanus und Diphtherie: Der Schutz sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Bei der nächsten fälligen Auffrischung wird häufig auch die Komponente gegen Keuchhusten (Pertussis) mitgeimpft – einmalig im Erwachsenenalter empfohlen.
  • COVID-19: Für Menschen ab 60 Jahren sowie für Personen mit Vorerkrankungen empfiehlt die STIKO weiterhin eine regelmäßige Auffrischimpfung, üblicherweise im Herbst gemeinsam mit der Grippeimpfung.
  • RSV: Das Respiratorische Synzytial-Virus kann bei älteren Menschen schwere Atemwegsinfektionen auslösen. Hier lohnt sich ein Gespräch über die individuelle Schutzmöglichkeit.

Mehrere Impfungen an einem Termin – geht das?

Viele Menschen scheuen sich, gleich mehrere Spritzen auf einmal zu bekommen. Tatsächlich lassen sich die meisten von der STIKO empfohlenen Impfungen problemlos am selben Tag verabreichen, etwa Grippe- und Pneumokokken- oder Grippe- und COVID-19-Impfung. Das spart Wege und Zeit. Welche Kombinationen für Sie in Frage kommen, hängt von Ihrem persönlichen Impfstatus und etwaigen Vorerkrankungen ab. Ein Blick in den Impfpass schafft Klarheit darüber, welche Impfungen bereits erfolgt sind und welche noch fehlen.

Sind die Impfungen sicher und was kosten sie?

Die empfohlenen Impfstoffe sind gut verträglich. In den ersten Tagen kann es zu Reaktionen wie Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle, manchmal auch zu Müdigkeit, Kopfschmerzen oder leichtem Fieber kommen. Diese Beschwerden sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem arbeitet, und klingen meist nach ein bis zwei Tagen von selbst wieder ab. Ein großer Pluspunkt: Die Kosten für alle von der STIKO empfohlenen Impfungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen vollständig. Es entstehen für Sie also keine zusätzlichen Ausgaben.

Wir beraten Sie gern

Sie sind unsicher, welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind oder wann die nächste Auffrischung ansteht? Bringen Sie Ihren Impfpass bei Ihrem nächsten Besuch einfach mit. Unser Team prüft gemeinsam mit Ihnen, welcher Schutz noch fehlt, und gibt Ihnen verständliche Antworten auf Ihre Fragen. So gehen Sie gut geschützt durch jede Jahreszeit. Bitte beachten Sie: Dieser Beitrag ersetzt nicht das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, der über die für Sie passende Impfung entscheidet.

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