Neurodermitis bei Kindern: Schübe lindern und die Haut richtig pflegen


Was Eltern über die richtige Hautpflege, Auslöser und moderne Therapien wissen sollten
Neurodermitis bei Kindern: Schübe lindern und die Haut richtig pflegen
Alfira/shutterstock.com
Eine regelmäßige, rückfettende Basispflege ist das Fundament jeder Neurodermitis-Behandlung bei Kindern.

Trockene, schüppende Hautstellen, quälender Juckreiz und Kinder, die sich nachts blutig kratzen: Neurodermitis (atopisches Ekzem) gehört zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen im Kindesalter. Etwa jedes zehnte bis siebte Kind ist betroffen, oft schon im Säuglingsalter. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Pflege und einer auf das Kind abgestimmten Behandlung lassen sich Schübe deutlich abmildern, und viele Kinder „verwachsen“ die Erkrankung bis zur Pubertät.

Was bei Neurodermitis in der Haut passiert

Bei Neurodermitis ist die natürliche Schutzbarriere der Haut gestört. Normalerweise hält die oberste Hautschicht Feuchtigkeit im Körper und Reizstoffe draußen. Bei betroffenen Kindern fehlen wichtige Hautfette und Feuchthaltefaktoren – häufig durch eine genetische Veränderung des Eiweißes Filaggrin. Die Folge: Die Haut trocknet aus, wird durchlässig für Allergene und Keime und reagiert mit Entzündung und Juckreiz. Das Kratzen schädigt die Barriere zusätzlich, neue Reize dringen ein, der Juckreiz nimmt zu. Diesen Teufelskreis aus Jucken und Kratzen zu durchbrechen, ist eines der wichtigsten Ziele der Behandlung.

Typische Anzeichen – je nach Alter unterschiedlich

Wie sich Neurodermitis zeigt, hängt stark vom Alter ab:

  • Bei Säuglingen beginnt sie oft mit nässenden, geröteten Stellen an Wangen und behaartem Kopf („Milchschorf“) sowie an den Außenseiten von Armen und Beinen.
  • Bei Klein- und Schulkindern verlagern sich die Ekzeme typischerweise in die Gelenkbeugen – Ellenbeugen, Kniekehlen, Hand- und Fußgelenke sowie an Hals und Nacken.
  • Die Haut ist meist sehr trocken, rau und teils verdickt; durch das Kratzen entstehen Kratzspuren, Krusten und manchmal kleine Einrisse.

Charakteristisch ist der schubweise Verlauf: Auf beschwerdearme Phasen folgen Zeiten mit starkem Juckreiz und ausgeprägten Ekzemen. Bei manchen Kindern treten zusätzlich Heuschnupfen oder allergisches Asthma auf – Fachleute sprechen vom „atopischen Formenkreis“.

Die Basispflege: das A und O

Der wichtigste Baustein der Behandlung ist die tägliche Basispflege – und zwar auch dann, wenn die Haut gerade ruhig und erscheinungsfrei ist. Ihr Ziel ist es, die gestörte Hautbarriere zu stabilisieren und Feuchtigkeit zu bewahren. Dafür werden rückfettende, möglichst duft- und konservierungsstofffreie Cremes oder Salben verwendet, häufig mit Inhaltsstoffen wie Harnstoff (bei größeren Kindern), Glycerin oder Nachtkerzenöl. Eine einfache Faustregel: Je trockener die Haut und je kälter die Jahreszeit, desto fetthaltiger sollte das Pflegeprodukt sein. Im Sommer und bei nässenden Stellen eignen sich leichtere Cremes oder Lotionen besser.

Bei der Auswahl des passenden Präparats für Ihr Kind beraten wir Sie gern persönlich – denn welches Produkt vertragen wird, ist sehr individuell. Tragen Sie die Pflege idealerweise zweimal täglich auf, am besten direkt nach dem Baden oder Duschen, solange die Haut noch leicht feucht ist. So wird die Feuchtigkeit „eingeschlossen“.

Richtig baden und waschen

Zu häufiges und zu heißes Waschen entzieht der Haut Fett. Empfehlenswert sind kurze Bäder oder Duschen (höchstens fünf bis zehn Minuten) bei lauwarmem Wasser um die 32 bis 34 Grad. Verwenden Sie milde, seifenfreie Waschsubstanzen (sogenannte Syndets) und verzichten Sie auf Schaumbad. Ein rückfettender Badezusatz kann sinnvoll sein. Anschließend die Haut nur sanft trocken tupfen, nicht rübbeln – und sofort eincremen.

Auslöser erkennen und meiden

Schübe werden oft durch individuelle Reizfaktoren ausgelöst. Ein „Neurodermitis-Tagebuch“ hilft, persönliche Trigger Ihres Kindes aufzuspüren. Häufige Auslöser sind:

  • kratzende Kleidung aus Wolle oder grober Synthetik – besser sind glatte, atmungsaktive Stoffe wie Baumwolle
  • Schwitzen, Hitze und trockene Heizungsluft im Winter
  • häufiger Kontakt mit Wasser, Seifen und Reinigungsmitteln
  • Infekte, Stress und seelische Belastungen, etwa Aufregung in der Schule
  • bei einem Teil der Kinder bestimmte Nahrungsmittel oder Allergene wie Hausstaubmilben, Tierhaare oder Pollen

Wichtig: Strenge Diäten auf Verdacht sind bei Kindern nicht sinnvoll und können sogar schaden, weil Nährstoffe fehlen. Nahrungsmittel sollten nur dann gemieden werden, wenn eine Allergie ärztlich nachgewiesen wurde.

Behandlung im akuten Schub

Reicht die Basispflege nicht aus, wird sie im Schub durch entzündungshemmende Wirkstoffe ergänzt – nach ärztlicher Anweisung. Bewährt haben sich kortisonhaltige Cremes, die gezielt und zeitlich begrenzt auf die entzündeten Stellen aufgetragen werden. Viele Eltern haben Sorge vor „Kortison“. Richtig dosiert und in der passenden Stärke für das jeweilige Körperareal angewendet, sind moderne Präparate jedoch gut steuerbar und in der Regel sicher. Wird Kortison dagegen zu zögerlich eingesetzt, verlängert sich der Schub oft unnötig. Alternativ oder ergänzend kommen für empfindliche Areale wie Gesicht und Hals sogenannte Calcineurin-Hemmer infrage. Bei schweren, großflächigen Verläufen stehen heute zudem moderne Systemtherapien zur Verfügung, die in spezialisierten Praxen und Kliniken verordnet werden.

Den Juckreiz in den Griff bekommen

Gegen das Kratzen helfen praktische Tricks: kurz geschnittene Fingernägel, bei kleinen Kindern dünne Baumwollhandschuhe oder Pyjamas mit umklappbaren Ärmeln für die Nacht. Kühlung lindert akuten Juckreiz – zum Beispiel eine im Kühlschrank aufbewahrte Pflegecreme. Lenken Sie Ihr Kind ab und loben Sie es, wenn es das Kratzen sein lässt, statt es zu schimpfen. Spezielle Schulungsprogramme für Familien (Neurodermitis-Schulungen) vermitteln solche Strategien und entlasten den Alltag spürbar.

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn die Haut trotz konsequenter Pflege nicht zur Ruhe kommt, die Ekzeme sich stark ausbreiten oder Ihr Kind durch den Juckreiz schlecht schläft. Auch bei Anzeichen einer Infektion – etwa gelblichen Krusten, Nässen, Eiterbläschen oder Fieber – sollte das Kind zeitnah untersucht werden, denn auf vorgeschädigter Haut siedeln sich leicht Bakterien oder Viren an.

Neurodermitis lässt sich zwar nicht heilen, aber gut kontrollieren. Wer die Basispflege konsequent betreibt, Auslöser meidet und im Schub frühzeitig gegensteuert, verschafft seinem Kind längere beschwerdefreie Phasen und eine bessere Lebensqualität. Sprechen Sie uns in der Nord-Apotheke gern an – wir helfen Ihnen, die passende Pflege für die empfindliche Kinderhaut zu finden.

News

Ginseng bei Erektionsstörungen
Ginseng bei Erektionsstörungen

Eine Alternative zur "blauen Pille"?

Beziehungsprobleme, vermindertes Selbstwertgefühl und weniger Freude am Leben: Erektionsstörungen sind für Betroffene eine große Belastung. Nahrungsergänzungsmittel mit Ginseng versprechen Abhilfe – zu Recht?   mehr

Was tun gegen Altersflecken?
Was tun gegen Altersflecken?

Normal, aber unerwünscht

Die Zeit macht sich an der Haut nicht nur durch Falten bemerkbar. Bei vielen Menschen gesellen sich ab Mitte 40 auch die sogenannten Altersflecken dazu. Wer darunter leidet, hat verschiedene Optionen, sein Hautbild zu verbessern.   mehr

Spinnen-Phobie mit App behandeln
Spinnen-Phobie mit App behandeln

VR macht´s möglich

Manche Menschen haben panische Angst vorm Fliegen, andere vor Spinnentieren oder Spritzen. Bekämpft werden solche Phobien meist durch eine Verhaltenstherapie. Jetzt soll auch eine App mit virtueller Realität helfen.   mehr

Blutdruck messen - aber richtig!
Blutdruck messen - aber richtig!

Kardinalfehler vermeiden

Den Blutdruck selbst zu messen ist für viele Menschen Routine. Automatische Blutdruckmessgeräte für zuhause sind aber nur vermeintlich leicht zu bedienen – denn einige Regeln müssen auch hier beachtet werden, um verlässliche Werte zu erhalten.   mehr

5 Tipps gegen Herpesbläschen
5 Tipps gegen Herpesbläschen

Von Therapie bis Prophylaxe

Sommerzeit ist Sonnenzeit. Doch leider blühen unter den wärmenden Sonnenstrahlen nicht nur Mensch und Pflanzenwelt auf – auch Herpesbläschen haben dann Hochsaison. Woran das liegt und was Sie dagegen tun können.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen

Beratungsclips

Antibiotikumsaft mit Löffel

Antibiotikumsaft mit Löffel

Dieses Video zeigt Ihnen kurz und verständlich, wie Sie einen Antibiotikumsaft mit einem Dosierlöffel richtig einnehmen. Der Clip ist mit Untertiteln in Russisch, Türkisch, Arabisch, Englisch und Deutsch verfügbar.

Wir bieten Ihnen viele unterschiedliche Beratungsclips zu erklärungsbedürftigen Medikamenten an. Klicken Sie einmal rein!

Nord-Apotheke
Inhaber Dr. Stephan Weibel
Telefon 0621/49 45 45
Fax 0621/4 96 20 98
E-Mail [email protected]