Eisenmangel: Anzeichen erkennen und gezielt beheben


Müde, blass und kraftlos? Wie sich ein Eisenmangel bemerkbar macht und was wirklich hilft

Ständige Müdigkeit, eine auffällige Blässe und das Gefühl, schon nach kleinen Anstrengungen aus der Puste zu sein: Hinter solchen Beschwerden steckt häufiger als gedacht ein Eisenmangel. Eisen gehört zu den wichtigsten Spurenelementen des Körpers – fehlt es, gerät der gesamte Stoffwechsel ins Stocken. Der Eisenmangel ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel und betrifft in Deutschland besonders Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Kinder im Wachstum sowie Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Die gute Nachricht: Ein Eisenmangel lässt sich gut erkennen und in den allermeisten Fällen wirksam beheben.

Warum der Körper Eisen so dringend braucht

Eisen ist ein zentraler Baustein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. An ihn bindet sich der Sauerstoff, den die roten Blutkörperchen aus der Lunge in jede Zelle des Körpers transportieren. Ohne ausreichend Eisen kann der Körper nicht genügend funktionsfähiges Hämoglobin bilden – die Folge ist eine schlechtere Sauerstoffversorgung von Muskeln, Organen und Gehirn. Darüber hinaus ist Eisen am Energiestoffwechsel der Zellen, an der Bildung von Botenstoffen im Nervensystem und an der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt. Auch für gesunde Haut, Haare und Nägel spielt das Spurenelement eine wichtige Rolle. Es wird verständlich, warum sich ein Mangel auf so vielen Ebenen bemerkbar machen kann.

Diese Anzeichen sprechen für einen Eisenmangel

Ein Eisenmangel entwickelt sich meist schleichend, und die Beschwerden sind zu Beginn oft unspezifisch. Viele Betroffene gewöhnen sich an ihren Zustand und halten die Symptome für normale Erschöpfung. Typische Anzeichen sind:

  • Anhaltende Müdigkeit, Erschöpfung und ein allgemeiner Leistungsknick
  • Blasse Haut sowie blasse Schleimhäute, zum Beispiel an der Innenseite der Augenlider
  • Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und Schwindel
  • Kopfschmerzen sowie Herzklopfen oder Kurzatmigkeit bei Belastung
  • Brüchige Nägel, trockene Haut und vermehrter Haarausfall
  • Eingerissene Mundwinkel und eine empfindliche, brennende Zunge
  • Kalte Hände und Füße sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit

Ein eher ungewöhnliches, aber typisches Zeichen ist das sogenannte Restless-Legs-Syndrom – ein unangenehmes Kribbeln und ein Bewegungsdrang in den Beinen, vor allem abends und nachts. Auch ein ausgeprägtes Verlangen, auf ungewöhnlichen Dingen wie Eiswürfeln herumzukauen, kann auf einen Eisenmangel hindeuten. Wichtig: Keines dieser Symptome ist für sich allein beweisend. Klarheit bringt erst eine Blutuntersuchung bei der Ärztin oder dem Arzt.

Wie ein Mangel entsteht

Ein Eisenmangel hat im Wesentlichen drei Ursachen: einen erhöhten Bedarf, eine zu geringe Zufuhr oder einen erhöhten Verlust. Ein gesteigerter Bedarf besteht in Phasen des Wachstums, in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Leistungssport. Eine zu geringe Zufuhr betrifft häufig Menschen mit einseitiger Ernährung oder rein pflanzlicher Kost, da das Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln schlechter aufgenommen wird als das aus Fleisch. Erhöhte Verluste entstehen vor allem durch Blutungen – bei Frauen oft durch eine starke Regelblutung, ansonsten beispielsweise durch Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Auch chronische Erkrankungen des Darms wie eine Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können die Eisenaufnahme stören. Deshalb sollte ein wiederkehrender oder unerklärlicher Eisenmangel ärztlich abgeklärt werden, um ernste Ursachen nicht zu übersehen.

So wird der Eisenmangel festgestellt

Den Eisenspeicher des Körpers spiegelt vor allem der Ferritinwert im Blut wider. Ist er niedrig, sind die Speicher geleert – oft schon, bevor der Hämoglobinwert absinkt und sich eine Blutarmut (Anämie) entwickelt. Die Ärztin oder der Arzt bestimmt daher in der Regel Ferritin, Hämoglobin und weitere Blutwerte, um zwischen einem reinen Speichermangel und einer bereits bestehenden Eisenmangelanämie zu unterscheiden. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können. Eine Selbstdiagnose allein anhand der Beschwerden reicht nicht aus.

Eisenreich essen: Das hilft im Alltag

Bei einem leichten Mangel und zur Vorbeugung lässt sich über die Ernährung viel erreichen. Besonders gut verwertbares Häm-Eisen steckt in Fleisch, vor allem in rotem Fleisch und Innereien. Pflanzliche Eisenquellen wie Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen), Haferflocken, Vollkornprodukte, Kürbiskerne, Nüsse und grünes Gemüse liefern zwar reichlich Eisen, dieses wird vom Körper aber schlechter aufgenommen. Ein einfacher Trick verbessert die Aufnahme deutlich: Kombinieren Sie pflanzliche Eisenquellen mit Vitamin C, etwa einem Glas Orangensaft, Paprika oder etwas Zitrone über dem Gericht.

Umgekehrt gibt es Hemmstoffe, die die Eisenaufnahme bremsen. Dazu zählen die Gerbstoffe in Kaffee und schwarzem Tee, Calcium aus Milchprodukten sowie bestimmte Inhaltsstoffe in Vollkorngetreide. Es lohnt sich daher, Kaffee und Tee nicht direkt zur eisenreichen Mahlzeit, sondern mit etwas zeitlichem Abstand zu trinken. Wer auf Fleisch verzichtet, sollte besonders auf eine gute Kombination eisenreicher pflanzlicher Lebensmittel mit Vitamin C achten.

Wann Eisenpräparate sinnvoll sind

Lässt sich ein nachgewiesener Mangel über die Ernährung allein nicht ausgleichen, kommen Eisenpräparate zum Einsatz. Üblich sind Tabletten, Kapseln oder Tropfen zum Einnehmen. Damit der Körper das Eisen gut aufnimmt, werden die Präparate idealerweise auf nüchternen Magen oder zwischen den Mahlzeiten und gemeinsam mit etwas Vitamin C eingenommen – nicht zusammen mit Kaffee, Tee oder Milchprodukten. Manche Menschen vertragen die Einnahme auf nüchternen Magen jedoch schlecht; dann kann es helfen, das Präparat zu einer leichten Mahlzeit einzunehmen. Wichtig ist Geduld: Bis sich die Eisenspeicher wieder gefüllt haben, vergehen oft mehrere Wochen bis Monate. Die Einnahme sollte daher nur so lange und so hoch dosiert erfolgen, wie es ärztlich empfohlen wurde.

Eisenpräparate können Nebenwirkungen wie Verstopfung, Bauchschmerzen, Übelkeit oder eine Dunkelfärbung des Stuhls verursachen. Letztere ist harmlos. Bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden lohnt sich das Gespräch über eine andere Darreichungsform oder Dosierung. Eisen sollte zudem nie vorbeugend in hoher Dosis auf eigene Faust eingenommen werden, denn ein Überschuss kann dem Körper schaden. Präparate gehören außerdem außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt, da eine Überdosierung für sie gefährlich ist.

Unser Tipp aus der Apotheke

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden zu einem Eisenmangel passen, oder wenn Sie ein Eisenpräparat einnehmen möchten, beraten wir Sie gern persönlich. Wir helfen Ihnen, ein geeignetes Präparat auszuwählen, erklären die richtige Einnahme und achten darauf, dass es sich mit Ihren übrigen Medikamenten verträgt. Bei länger anhaltender Müdigkeit, Blutungen oder einem wiederkehrenden Mangel empfehlen wir Ihnen jedoch immer, die Ursache ärztlich abklären zu lassen. So stellen Sie sicher, dass Sie das Richtige für Ihre Gesundheit tun – und sich bald wieder fit und leistungsfähig fühlen.

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