Trockene Augen: Ursachen, Soforthilfe und Augentropfen richtig wählen
Brennen, Jucken, ein Gefühl wie Sand im Auge und der ständige Drang, sich die Augen zu reiben: Das trockene Auge gehört zu den häufigsten Gründen, warum Menschen in der Apotheke nach Rat fragen. Fachleute sprechen vom „Trockenen Auge“ oder, etwas vornehmer, vom Sicca-Syndrom. Schätzungen zufolge ist jeder fünfte Erwachsene zumindest zeitweise davon betroffen, mit zunehmendem Alter steigt der Anteil deutlich. Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lassen sich die Beschwerden mit einfachen Maßnahmen und den richtigen Tropfen gut in den Griff bekommen.
Damit das Auge gesund und beschwerdefrei bleibt, muss seine Oberfläche ständig von einem dünnen Flüssigkeitsfilm bedeckt sein, dem Tränenfilm. Dieser Film besteht aus drei Schichten: einer äußeren Fettschicht (Lipidschicht), die das Verdunsten verhindert, einer mittleren wässrigen Schicht, die Sauerstoff und Nährstoffe transportiert, und einer inneren Schleimschicht (Muzinschicht), die den Film an der Hornhaut haften lässt. Erst das fein abgestimmte Zusammenspiel aller drei Schichten sorgt für klare Sicht und ein angenehmes Gefühl. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Takt, wird das Auge trocken – entweder weil zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet wird oder weil sie zu schnell verdunstet.
Warum die Augen trocken werden
Die Ursachen sind vielfältig und oft kommen mehrere Faktoren zusammen. Sehr häufig steckt unser moderner Alltag dahinter. Wer stundenlang konzentriert auf einen Bildschirm schaut, blinzelt deutlich seltener – statt der üblichen 10 bis 15 Lidschläge pro Minute oft nur noch ein Drittel davon. Mit jedem Lidschlag wird aber frischer Tränenfilm über das Auge verteilt. Bleibt er aus, reißt der Film auf und die Oberfläche trocknet aus. Fachleute nennen das den „Office-Eye-“ oder Bildschirmarbeitsplatz-Effekt.
Weitere typische Auslöser und Risikofaktoren sind:
- Trockene Heizungsluft im Winter und Klimaanlagen im Sommer sowie Zugluft, etwa durch Ventilatoren oder das Gebläse im Auto.
- Zunehmendes Alter: Ab etwa 50 Jahren lässt die Tränenproduktion natürlicherweise nach, Frauen sind nach den Wechseljahren besonders oft betroffen, weil sich der Hormonhaushalt verändert.
- Kontaktlinsen, die der Tränenflüssigkeit Feuchtigkeit entziehen können, vor allem bei langer Tragedauer.
- Medikamente wie Entwässerungsmittel, Betablocker, manche Antidepressiva, Antihistaminika gegen Allergien und die „Pille“.
- Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenstörungen oder rheumatische Erkrankungen (z. B. das Sjögren-Syndrom).
- Eine Entzündung der Liddrüsen (Meibom-Drüsen), die für die wichtige Fettschicht des Tränenfilms zuständig sind.
Auch Rauchen, eine zu geringe Trinkmenge und langes Lesen oder Autofahren bei Dunkelheit können die Beschwerden verstärken. Interessanterweise klagen manche Betroffene über tränende Augen – das ist kein Widerspruch: Reizt die Trockenheit die Augenoberfläche, schüttet das Auge reflexartig wässrige Tränen aus, denen aber die stabilisierende Fettschicht fehlt. Sie laufen einfach ab, statt den Film zu reparieren.
Soforthilfe: Was Sie selbst tun können
Bei leichten und gelegentlichen Beschwerden lässt sich oft schon mit einfachen Verhaltensänderungen viel erreichen. Bewährt hat sich die „20-20-Regel“ für die Bildschirmarbeit: Schauen Sie etwa alle 20 Minuten für rund 20 Sekunden bewusst in die Ferne und blinzeln Sie dabei mehrmals ganz bewusst und vollständig. Das verteilt den Tränenfilm neu und entspannt zugleich die Augenmuskulatur.
Darüber hinaus helfen folgende Maßnahmen:
- Sorgen Sie für ausreichend Luftfeuchtigkeit in Räumen, etwa mit einem Luftbefeuchter oder einer Schale Wasser auf der Heizung. Eine Raumluftfeuchte um 50 Prozent ist ideal.
- Vermeiden Sie direkte Zugluft: Richten Sie Ventilatoren und das Lüftungsgebläse im Auto nicht aufs Gesicht.
- Trinken Sie über den Tag verteilt genug – etwa 1,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee.
- Stellen Sie den Bildschirm etwas tiefer auf, sodass Sie leicht nach unten blicken. So bleibt die Lidspalte kleiner und es verdunstet weniger Tränenflüssigkeit.
- Gönnen Sie sich an der frischen Luft regelmäßige Pausen und legen Sie beim Lesen bewusste Lesepausen ein.
Eine besonders wohltuende Maßnahme bei verstopften Liddrüsen sind warme Kompressen: Legen Sie ein sauberes, gut angewärmtes (nicht heißes!) feuchtes Tuch für einige Minuten auf die geschlossenen Lider und massieren Sie die Lidkante anschließend sanft Richtung Wimpern aus. Das verflüssigt das eingedickte Sekret der Fettdrüsen und verbessert die schützende Lipidschicht. In der Apotheke gibt es dafür auch spezielle, wiederverwendbare Wärmemasken und Reinigungstücher zur Lidrandpflege.
Augentropfen richtig wählen
Reichen Verhaltensmaßnahmen nicht aus, sind befeuchtende Augentropfen – sogenannte „künstliche Tränen“ – das Mittel der Wahl. Sie ersetzen die fehlende Tränenflüssigkeit, legen sich schützend über die Augenoberfläche und lindern das Reibungs- und Fremdkörpergefühl. Das Angebot ist allerdings riesig, und nicht jedes Präparat passt zu jeder Form des trockenen Auges. Worauf es ankommt:
Der Wirkstoff entscheidet. Tropfen mit Hyaluronsäure binden sehr viel Wasser, bilden einen langanhaltenden Feuchtigkeitsfilm und gelten als guter Allrounder für die meisten Betroffenen. Präparate mit Cellulose-Abkömmlingen (etwa Hypromellose) oder mit Povidon sind dünnflüssiger und eignen sich für leichtere Beschwerden. Steht das Verdunsten im Vordergrund – etwa bei gestörter Fettschicht – sind lipidhaltige Tropfen oder Sprays sinnvoll, die die äußere Schutzschicht des Tränenfilms stabilisieren.
Die Konsistenz an den Alltag anpassen. Dünnflüssige Tropfen verteilen sich rasch und trüben die Sicht kaum, müssen aber häufiger angewendet werden. Zähflüssigere Gele halten länger, können aber kurzzeitig die Sicht verschleiern – sie eignen sich daher besonders gut für die Nacht. Viele Betroffene fahren mit einer Kombination am besten: dünnflüssig tagsüber, ein Augengel oder eine Augensalbe vor dem Schlafengehen.
Möglichst ohne Konservierungsmittel. Wer die Tropfen mehrmals täglich oder dauerhaft braucht, sollte zu konservierungsmittelfreien Präparaten greifen. Konservierungsstoffe wie Benzalkoniumchlorid können die Augenoberfläche bei häufiger Anwendung zusätzlich reizen. Konservierungsmittelfreie Produkte gibt es als praktische Einzeldosen (Ampullen) oder in speziellen Mehrdosenflaschen mit Filtersystem. Auch für Kontaktlinsenträger gibt es eigens geeignete, gut verträgliche Tropfen – lassen Sie sich hier gezielt beraten.
So tropfen Sie richtig
Auf die Technik kommt es an: Waschen Sie sich zuerst gründlich die Hände. Neigen Sie den Kopf leicht nach hinten, ziehen Sie das Unterlid mit einem Finger sanft nach unten und schauen Sie nach oben. Geben Sie einen Tropfen in die so entstandene Lidtasche, ohne dass die Tropferspitze Auge oder Wimpern berührt. Schließen Sie das Auge danach für ein bis zwei Minuten und drücken Sie leicht auf den inneren Augenwinkel – so verteilt sich die Flüssigkeit gut und läuft nicht sofort ab. Müssen Sie mehrere verschiedene Augenmittel anwenden, halten Sie zwischen den Präparaten etwa zehn Minuten Abstand ein und verwenden Sie dünnflüssige vor zähflüssigen Tropfen.
Wann Sie ärztlichen Rat brauchen
Künstliche Tränen lindern die Beschwerden, beheben aber nicht jede Ursache. Ärztlichen Rat sollten Sie einholen, wenn die Beschwerden trotz konsequenter Anwendung über mehrere Wochen anhalten oder sich verschlimmern. Sofort augenärztlich abklären lassen sollten Sie zudem starke Schmerzen, eine deutliche Rötung nur eines Auges, eine plötzliche Sehverschlechterung, ausgeprägte Lichtempfindlichkeit oder das Gefühl, einen echten Fremdkörper im Auge zu haben. Dahinter können eine Entzündung, eine Verletzung der Hornhaut oder eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung stecken, die eine gezielte Therapie erfordern.
Das trockene Auge ist in aller Regel gut behandelbar – vorausgesetzt, man bleibt dran und wählt das passende Präparat. Gern beraten wir Sie in der Nord-Apotheke in Ilvesheim persönlich, welche befeuchtenden Tropfen, Gele oder Sprays zu Ihren Beschwerden und Ihrem Alltag passen und worauf Sie bei der Anwendung achten sollten. Bringen Sie zur Beratung am besten eine Liste Ihrer Medikamente mit – so finden wir gemeinsam die für Sie verträglichste Lösung.