Hämorrhoiden: Beschwerden offen ansprechen und richtig behandeln


Was wirklich hilft – von der Apothekensalbe bis zum Eingriff beim Proktologen

Über Hämorrhoiden spricht man nicht gern – dabei sind sie eine der häufigsten Erkrankungen im westlichen Lebensraum. Schätzungen zufolge sind im Laufe des Lebens mehr als die Hälfte aller Erwachsenen mindestens einmal davon betroffen. Trotzdem schweigen viele Menschen aus Scham und warten oft Monate, bis sie sich Rat holen. Das ist schade, denn je früher man etwas unternimmt, desto einfacher und schonender lassen sich die Beschwerden behandeln. In unserer Apotheke beraten wir Sie selbstverständlich diskret und ohne Tabus.

Was sind Hämorrhoiden eigentlich?

Zunächst eine beruhigende Tatsache: Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Es handelt sich um ein ringförmiges Gefäßpolster aus feinen Blutgefäßen, das innen am Übergang vom Mastdarm zum Analkanal sitzt. Gemeinsam mit dem Schließmuskel sorgt dieses Polster dafür, dass der Darm sicher abgedichtet wird – es ist also ein wichtiger Teil der Feinkontinenz. Erst wenn sich dieses Gewebe krankhaft vergrößert, nach unten sinkt und Beschwerden bereitet, spricht man im Alltag vom „Hämorrhoidalleiden“. Genau genommen ist also nicht das Polster selbst das Problem, sondern seine Vergrößerung.

Typische Anzeichen erkennen

Vergrößerte Hämorrhoiden machen sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar. Das wohl bekannteste Warnzeichen ist hellrotes Blut, das nach dem Stuhlgang am Toilettenpapier oder als Auflagerung auf dem Stuhl zu sehen ist. Daneben treten häufig auf:

  • Juckreiz, Nässen und ein wundes Gefühl am After
  • Brennen oder ein Druck- und Fremdkörpergefühl, als sei der Darm nicht vollständig entleert
  • tastbare Knoten am Analrand, die sich nach dem Stuhlgang nach außen wölben
  • Schmerzen – die allerdings eher untypisch sind und oft auf eine andere Ursache wie eine Analvenenthrombose oder eine Fissur hindeuten

Wichtig zu wissen: Hellrotes, schmerzloses Blut ist zwar meist ein Zeichen für Hämorrhoiden, aber kein Symptom sollte ungeprüft sich selbst überlassen werden. Auch andere, ernstere Erkrankungen des Darms können bluten. Deshalb gilt: Anhaltende oder wiederkehrende Blutungen gehören ärztlich abgeklärt, damit nichts übersehen wird.

Die vier Schweregrade

Mediziner teilen das Hämorrhoidalleiden in vier Grade ein – diese Einteilung bestimmt maßgeblich, welche Behandlung sinnvoll ist:

  • Grad 1: Die Hämorrhoiden sind nur leicht vergrößert und bleiben innen im Analkanal. Von außen sind sie nicht sichtbar. Oft bemerkt man lediglich gelegentliches Bluten oder leichten Juckreiz.
  • Grad 2: Beim Pressen treten die Knoten nach außen, ziehen sich danach aber von selbst wieder zurück. Juckreiz, Nässen und Blutungen nehmen zu.
  • Grad 3: Die Hämorrhoiden treten heraus und gehen nicht mehr von allein zurück – sie lassen sich aber mit dem Finger zurückschieben.
  • Grad 4: Das Gewebe liegt dauerhaft außerhalb und lässt sich nicht mehr zurückschieben. In diesem Stadium sind die Beschwerden am stärksten ausgeprägt.

Wie es überhaupt dazu kommt

Die mit Abstand häufigste Ursache ist starkes Pressen beim Stuhlgang – meist eine Folge von chronischer Verstopfung und hartem Stuhl. Durch den hohen Druck staut sich das Blut im Gefäßpolster, das Gewebe weitet sich und sinkt mit der Zeit nach unten. Begünstigt wird das Leiden außerdem durch eine ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Trinken, überwiegend sitzende Tätigkeiten und Bewegungsmangel. Auch Übergewicht und langes Sitzen auf der Toilette – etwa beim Lesen oder am Smartphone – spielen eine Rolle. In der Schwangerschaft treten Hämorrhoiden besonders häufig auf, weil das Gewebe weicher wird und das Kind auf die Beckengefäße drückt. Nach der Geburt bilden sie sich aber oft von selbst wieder zurück.

Was Sie selbst tun können

Der wichtigste Hebel liegt in den eigenen Händen: ein weicher, geregelter Stuhlgang. Wer das Pressen vermeidet, nimmt den Hämorrhoiden den entscheidenden Reiz. So gelingt das im Alltag:

  • Ballaststoffe steigern: Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte machen den Stuhl weicher und voluminöser. Bewährt haben sich auch Flohsamenschalen oder Leinsamen aus der Apotheke – wichtig ist, dazu ausreichend zu trinken.
  • Genug Flüssigkeit: Ein bis zwei Liter Wasser oder ungesüßter Tee am Tag halten den Stuhl geschmeidig.
  • In Bewegung bleiben: Regelmäßige körperliche Aktivität bringt die Verdauung in Schwung.
  • Nicht pressen, nicht trödeln: Gehen Sie zur Toilette, wenn der Drang kommt, und verbringen Sie dort nicht unnötig viel Zeit.
  • Sanfte Reinigung: Nach dem Stuhlgang mit lauwarmem Wasser reinigen und vorsichtig abtupfen statt kräftig zu reiben. Auf parfümierte Feuchttücher besser verzichten.

Hilfe aus der Apotheke

Bei leichten Beschwerden der Grade 1 und 2 lässt sich vieles mit rezeptfreien Mitteln lindern. Salben, Cremes, Zäpfchen und Analtampons verschaffen Erleichterung – je nach Wirkstoff auf unterschiedliche Weise. Entzündungshemmende und pflegende Substanzen wie Hamamelis (Zaubernuss), Panthenol oder Zink beruhigen die gereizte Haut und unterstützen die Abheilung. Örtlich betäubende Wirkstoffe lindern kurzfristig Juckreiz und Brennen, sollten aber nur über wenige Tage angewendet werden, da sie selbst Hautreizungen auslösen können. Kortisonhaltige Präparate dämpfen stärkere Entzündungen, eignen sich aber ebenfalls nur für eine kurze Anwendung. Für Zäpfchen gilt: Sie entfalten ihre Wirkung vor allem weiter oben im Enddarm; bei Beschwerden direkt am Analrand sind Salben mit Analdehner oder Analtampons oft die bessere Wahl. Lassen Sie sich bei der Auswahl gern von uns beraten – wir finden gemeinsam das passende Mittel für Ihre Situation und erklären Ihnen die richtige Anwendung.

Wann Sie zum Arzt gehen sollten

So hilfreich die Selbstbehandlung ist – sie hat ihre Grenzen. Wir empfehlen einen Besuch beim Hausarzt oder beim Facharzt für Enddarmerkrankungen (Proktologen), wenn die Beschwerden nach etwa einer Woche nicht abklingen, immer wieder zurückkehren oder sich verschlimmern. Dasselbe gilt bei stärkeren Schmerzen, tastbaren harten Knoten und vor allem bei Blutungen, die zum ersten Mal auftreten oder anhalten. Hinter Blut im Stuhl kann zwar harmlos eine Hämorrhoide stecken – ärztlich abgeklärt werden sollte es trotzdem immer, um andere Ursachen sicher auszuschließen. Bei der Untersuchung tastet die Ärztin den Analkanal aus und betrachtet ihn mit einem kurzen Spiegelinstrument (Proktoskop). Das ist unangenehm, aber in der Regel nicht schmerzhaft und schnell vorbei.

Behandlung in der Arztpraxis

Reichen Salben und Lebensstil nicht aus, gibt es schonende Verfahren, die ambulant durchgeführt werden. Bei der Verödung (Sklerosierung) spritzt die Ärztin ein Mittel in das vergrößerte Polster, das die Durchblutung drosselt und das Gewebe schrumpfen lässt – das eignet sich vor allem für Grad 1 und 2. Bei der Gummibandligatur, die häufig bei Grad 2 und 3 zum Einsatz kommt, wird ein kleiner Gummiring über den Knoten gestülpt. Dadurch wird ihm die Blutzufuhr abgeschnitten, und er fällt nach einigen Tagen unbemerkt ab. Beide Methoden sind weitgehend schmerzarm, weil der innere Analkanal kaum schmerzempfindlich ist. Erst bei ausgeprägten Befunden der Grade 3 und 4 wird ein operativer Eingriff nötig, bei dem das überschüssige Gewebe entfernt oder das abgesunkene Polster wieder nach oben gerafft wird.

Vorbeugen lohnt sich

Die gute Nachricht zum Schluss: Mit den gleichen Maßnahmen, die akute Beschwerden lindern, beugen Sie auch neuen Schüben vor. Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Bewegung und ein entspannter Toilettengang ohne Pressen sind der beste Schutz vor wiederkehrenden Hämorrhoiden. Behandeln Sie das Thema nicht als peinliches Geheimnis, sondern als ganz normales Gesundheitsanliegen – dann lässt es sich in den allermeisten Fällen gut und dauerhaft in den Griff bekommen. Sprechen Sie uns in der Nord-Apotheke einfach an: Wir beraten Sie diskret, freundlich und kompetent.

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