Krampfadern und Venenschwäche: Beine gesund und leicht halten


Was die Venen wirklich entlastet

Schwere, müde Beine am Abend, ein Spannungsgefühl in den Waden oder kleine bläuliche Äderchen, die unter der Haut hervorschimmern: Solche Beschwerden kennen viele Menschen, vor allem mit zunehmendem Alter. Dahinter steckt häufig eine Venenschwäche, in der Fachsprache chronische Veneninsuffizienz genannt. Sie ist keine reine Schönheitsfrage, sondern eine echte Erkrankung der Beinvenen – und sie lässt sich gut behandeln, wenn man sie ernst nimmt. Wir erklären, wie das Venensystem funktioniert, woran Sie eine beginnende Schwäche erkennen und was Sie selbst für gesunde, leichte Beine tun können.

Warum die Venen Schwerstarbeit leisten

Das Blut fließt in den Arterien vom Herzen weg in den Körper – und durch die Venen wieder zurück. In den Beinen muss das Blut dabei entgegen der Schwerkraft nach oben gepumpt werden, oft mehr als einen Meter weit. Dafür hat der Körper ein ausgeklügeltes System entwickelt: Die sogenannte Muskelpumpe der Wade drückt bei jedem Schritt das Blut nach oben, und kleine Venenklappen wirken wie Rückschlagventile. Sie öffnen sich, lassen das Blut passieren und schließen sich wieder, damit es nicht zurücksacken kann.

Erschlaffen die Venenwände oder schließen die Klappen nicht mehr richtig, staut sich das Blut in den Beinen. Der Druck in den Gefäßen steigt, die Venen weiten sich weiter – ein Teufelskreis beginnt. Mit der Zeit treten Flüssigkeit und Eiweiße ins umliegende Gewebe aus, die Beine schwellen an und es entstehen die typischen Krampfadern, medizinisch Varizen genannt.

Krampfadern, Besenreiser und Venenschwäche – wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Tatsächlich beschreiben sie verschiedene Ausprägungen ein und desselben Grundproblems:

  • Besenreiser sind feine, rötlich-bläuliche Äderchen direkt unter der Hautoberfläche. Sie sind in erster Linie ein kosmetisches Thema und meist harmlos, können aber ein erster Hinweis auf eine Veranlagung zur Venenschwäche sein.
  • Krampfadern sind erweiterte, oft geschlängelte Venen, die sich deutlich unter der Haut abzeichnen. Sie betreffen die größeren oberflächlichen Venen und können mit Beschwerden wie Schweregefühl, Juckreiz oder nächtlichen Wadenkrämpfen einhergehen.
  • Chronische Veneninsuffizienz ist das fortgeschrittene Stadium, in dem der dauerhafte Blutstau zu Schwellungen, Hautveränderungen und im schlimmsten Fall zu offenen Wunden (dem sogenannten „offenen Bein“) führen kann.

Die Übergänge sind fließend. Deshalb gilt: Wer Veränderungen an den Beinen bemerkt, sollte sie frühzeitig ärztlich abklären lassen, statt abzuwarten, bis aus dem Schönheitsmakel ein gesundheitliches Problem wird.

Diese Warnzeichen sollten Sie kennen

Eine Venenschwäche entwickelt sich meist schleichend über Jahre. Achten Sie besonders auf folgende Anzeichen, die sich typischerweise im Laufe des Tages und bei Wärme verstärken und nach dem Hochlegen der Beine bessern:

  • schwere, müde oder „prall“ wirkende Beine, vor allem am Abend
  • geschwollene Knöchel und Unterschenkel, häufig mit Abdrücken durch Socken
  • Spannungs-, Kribbel- oder Juckgefühl in den Waden
  • nächtliche Wadenkrämpfe und unruhige Beine
  • hervortretende, geschlängelte Venen oder zunehmende Besenreiser
  • bräunliche Verfärbungen oder verhärtete Haut am Unterschenkel als Zeichen einer fortgeschrittenen Stauung

Treten plötzlich eine schmerzhafte, einseitige Schwellung, Überwärmung und Rötung der Wade auf, ist Vorsicht geboten: Das können Hinweise auf eine Thrombose, also ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene, sein. In diesem Fall sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe suchen, denn eine Thrombose kann gefährliche Folgen haben.

Wer ist besonders gefährdet?

Ob jemand eine Venenschwäche entwickelt, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine wichtige Rolle spielt die erbliche Veranlagung: Sind Eltern oder Geschwister betroffen, steigt das eigene Risiko deutlich. Frauen erkranken häufiger als Männer, unter anderem weil weibliche Hormone das Bindegewebe lockern. Schwangerschaften belasten die Beinvenen zusätzlich, da das wachsende Kind auf die Beckenvenen drückt und das Blutvolumen ansteigt.

Begünstigend wirken außerdem Übergewicht, höheres Lebensalter, Bewegungsmangel sowie überwiegend stehende oder sitzende Tätigkeiten – also überall dort, wo die Wadenmuskelpumpe zu wenig zum Einsatz kommt. Auch Rauchen schadet den Gefäßen. An der eigenen Veranlagung lässt sich nichts ändern, an vielen dieser Faktoren aber sehr wohl. Genau hier setzt die Vorbeugung an.

Was Sie selbst für leichte Beine tun können

Die gute Nachricht: Ein großer Teil der Venengesundheit liegt in Ihrer Hand. Mit einigen alltagstauglichen Gewohnheiten können Sie Ihre Venen spürbar entlasten und das Fortschreiten einer Schwäche bremsen. Bewährt hat sich die alte Faustregel der Venenexperten: „Lieber Laufen und Liegen als Sitzen und Stehen.“

  • Bewegung an erster Stelle: Gehen, Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Walken bringen die Wadenmuskelpumpe in Schwung. Schon regelmäßige Spaziergänge helfen. Wer viel sitzen oder stehen muss, sollte zwischendurch immer wieder die Füße kreisen lassen, auf die Zehenspitzen wippen oder ein paar Schritte gehen.
  • Beine hochlegen: Lagern Sie die Beine mehrmals täglich für einige Minuten über Herzhöhe. So fließt das gestaute Blut leichter zum Herzen zurück und die Schwellung geht zurück.
  • Kaltes Wasser nutzen: Kühle Beingüsse oder kalt-warme Wechselduschen regen die Durchblutung an und kräftigen die Venenwände. Wärme dagegen – etwa heiße Bäder, Sauna oder langes Sonnenbaden – weitet die Gefäße und sollte bei Venenschwäche maßvoll genossen werden.
  • Gewicht und Ernährung im Blick behalten: Jedes Kilo weniger entlastet die Venen. Eine ballaststoffreiche Kost beugt Verstopfung vor, denn starkes Pressen beim Stuhlgang erhöht den Druck im Bauchraum und in den Beinvenen. Ausreichend trinken hält das Blut fließfähig.
  • Die richtige Kleidung: Verzichten Sie auf einschnürende Socken oder enge Hosen, die in der Leiste oder am Knie abschnüren. Hochhackige Schuhe und enge Stiefel schränken das Abrollen des Fußes und damit die Muskelpumpe ein – flaches, bequemes Schuhwerk ist günstiger.

Kompressionsstrümpfe: unterschätzte Helfer

Eine der wirksamsten Maßnahmen bei Venenleiden sind medizinische Kompressionsstrümpfe. Sie üben von außen einen genau abgestuften Druck auf das Bein aus – am Knöchel am stärksten, nach oben hin abnehmend. Dadurch werden die geweiteten Venen verengt, die Klappen schließen wieder besser und das Blut wird zuverlässiger nach oben transportiert. Schwellungen gehen zurück, und die Beine fühlen sich am Abend deutlich leichter an.

Wichtig ist die richtige Passform. Medizinische Kompressionsstrümpfe werden nach Maß ausgewählt und in verschiedenen Kompressionsklassen verordnet. Damit sie wirken, müssen sie morgens vor dem Aufstehen angezogen werden, solange die Beine noch abgeschwollen sind. Anziehhilfen und spezielle Handschuhe erleichtern das Handling, gerade wenn die Fingerkraft nachlässt. Wir beraten Sie gern dazu, welches Modell zu Ihrem Alltag passt und wie Sie die Strümpfe pflegen, damit sie ihre Spannkraft behalten.

Hautpflege nicht vergessen

Bei einer Venenschwäche wird die Haut an den Unterschenkeln oft trocken, dünn und empfindlich. Eine regelmäßige, rückfettende Pflege beugt Rissen und Entzündungen vor. Verwenden Sie milde, möglichst parfümfreie Produkte und tragen Sie die Creme sanft von unten nach oben auf. Kleine Verletzungen am Unterschenkel sollten Sie aufmerksam beobachten, da Wunden bei gestörter Durchblutung schlechter heilen.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Pflanzliche Wirkstoffe wie Extrakte aus rotem Weinlaub, Rosskastanie oder Mäusedorn können die Beschwerden lindern und werden häufig ergänzend eingesetzt. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Abklärung. Spätestens wenn die Beine dauerhaft anschwellen, sich die Haut verfärbt oder verhärtet, Krampfadern rasch zunehmen oder offene Stellen auftreten, gehört das in fachkundige Hände. Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte – Phlebologen – können den Zustand der Venen mit einer Ultraschalluntersuchung beurteilen und gemeinsam mit Ihnen entscheiden, ob eine weitergehende Behandlung sinnvoll ist. Dazu zählen unter anderem die Verödung, der Laser oder kleine operative Eingriffe.

Venenschwäche lässt sich zwar nicht heilen, ihr Fortschreiten aber wirksam bremsen. Wer früh aktiv wird, viel in Bewegung bleibt und auf die Signale seiner Beine achtet, hat gute Chancen, lange leichte und gesunde Beine zu behalten. Haben Sie Fragen zu Venenmitteln, Kompressionsstrümpfen oder der richtigen Pflege? Sprechen Sie uns in Ihrer Nord-Apotheke an – wir nehmen uns Zeit für Sie.

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