Schilddrüsenunterfunktion: Symptome erkennen und richtig behandeln


Wenn der Stoffwechsel auf Sparflamme läuft – woran Sie eine Hypothyreose erkennen und wie die Behandlung gelingt.

Ständig müde, ohne Grund zugenommen, dauernd am Frieren und irgendwie niedergeschlagen: Hinter solchen unspezifischen Beschwerden kann eine Schilddrüsenunterfunktion stecken. Weil die Symptome schleichend kommen und sich leicht mit Stress, dem Älterwerden oder einer trüben Stimmung verwechseln lassen, bleibt eine Hypothyreose oft lange unentdeckt. Dabei ist sie gut behandelbar – wenn man sie erkennt. Wir erklären, woran Sie eine Unterfunktion bemerken, wie sie festgestellt wird und worauf es bei der Therapie ankommt.

Was die Schilddrüse leistet

Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ am unteren Hals, direkt unterhalb des Kehlkopfs. So unscheinbar sie ist, so groß ist ihr Einfluss: Sie produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), die in nahezu jeder Körperzelle den Stoffwechsel steuern. Sie bestimmen mit, wie schnell unser Herz schlägt, wie viel Energie wir verbrennen, wie warm uns ist, wie unser Darm arbeitet und wie wach und konzentriert wir sind. Übergeordnet wird die Schilddrüse von der Hirnanhangsdrüse gesteuert, die das Hormon TSH ausschüttet. TSH ist gewissermaßen das Gaspedal: Es fordert die Schilddrüse auf, mehr Hormone zu bilden.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion stellt das Organ zu wenige Hormone her. Der gesamte Stoffwechsel läuft dann gleichsam auf Sparflamme – und genau das spüren Betroffene im ganzen Körper.

Diese Symptome sind typisch

Eine Unterfunktion macht sich vielfältig bemerkbar, weil so viele Organe von den Schilddrüsenhormonen abhängen. Häufige Anzeichen sind:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit: anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und ein erhöhtes Schlafbedürfnis trotz ausreichender Nachtruhe.
  • Frieren: eine erhöhte Kälteempfindlichkeit, weil der Körper weniger Wärme produziert.
  • Gewichtszunahme: einige zusätzliche Kilo, obwohl sich an Ernährung und Bewegung nichts geändert hat – Folge des verlangsamten Energieumsatzes und vermehrter Wassereinlagerungen.
  • Trockene Haut und brüchiges Haar: stumpfes, ausfallendes Haar und mitunter eine Verdünnung der äußeren Augenbrauen.
  • Verstopfung: ein träger Darm, weil auch die Verdauung langsamer arbeitet.
  • Gedrückte Stimmung: Niedergeschlagenheit bis hin zu depressiven Verstimmungen, Vergesslichkeit und ein „benebeltes“ Gefühl im Kopf.
  • Langsamer Puls und niedriger Blutdruck: das Herz schlägt ruhiger als sonst.
  • Zyklusstörungen: bei Frauen kann die Regelblutung unregelmäßig oder verstärkt auftreten, mitunter ist auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

Keines dieser Symptome beweist für sich genommen eine Unterfunktion. Treten aber mehrere gemeinsam und über Wochen auf, lohnt sich ein Blick auf die Schilddrüse. Wichtig zu wissen: Bei älteren Menschen verläuft eine Unterfunktion oft besonders symptomarm und wird leicht als normale Alterserscheinung fehlgedeutet.

Häufige Ursachen

Die mit Abstand häufigste Ursache einer dauerhaften Unterfunktion im Erwachsenenalter ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Dabei richtet sich das Immunsystem irrtümlich gegen das eigene Schilddrüsengewebe und zerstört es nach und nach, sodass die Hormonproduktion versiegt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Weitere Ursachen sind Operationen an der Schilddrüse, eine Radiojodtherapie, bestimmte Medikamente sowie – seltener als früher, dank jodiertem Speisesalz – ein ausgeprägter Jodmangel. Auch Neugeborene können in seltenen Fällen mit einer angeborenen Unterfunktion zur Welt kommen; sie wird in Deutschland routinemäßig im Neugeborenen-Screening erfasst.

So wird die Diagnose gestellt

Der entscheidende Schritt ist eine einfache Blutuntersuchung. Bestimmt wird zunächst der TSH-Wert. Ist er erhöht, deutet das auf eine Unterfunktion hin: Der Körper versucht, die schwächelnde Schilddrüse über vermehrtes TSH stärker anzutreiben. Zur Bestätigung wird in der Regel zusätzlich das freie T4 (fT4) gemessen. Liegt der TSH-Wert über dem Normbereich, während fT4 bereits erniedrigt ist, spricht man von einer manifesten Unterfunktion. Ist nur das TSH leicht erhöht und fT4 noch normal, liegt eine sogenannte latente (subklinische) Unterfunktion vor, die nicht in jedem Fall sofort behandelt werden muss.

Um die Ursache einzugrenzen, kann die Ärztin oder der Arzt zusätzlich Schilddrüsen-Antikörper (etwa TPO-Antikörper bei Verdacht auf Hashimoto) bestimmen und die Schilddrüse per Ultraschall untersuchen. So lässt sich abschätzen, ob eine Autoimmunentzündung, Knoten oder eine Vergrößerung vorliegen.

Die Behandlung: Hormone ersetzen

Die Therapie ist gut etabliert und für die meisten Betroffenen unkompliziert: Die fehlenden Hormone werden in Tablettenform ersetzt. Verwendet wird L-Thyroxin (Levothyroxin), ein dem körpereigenen T4 nachgebildeter Wirkstoff. Ziel ist, den Hormonhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sodass die Beschwerden verschwinden und der TSH-Wert in den Normbereich zurückkehrt. Die passende Dosis richtet sich unter anderem nach Körpergewicht, Alter und Begleiterkrankungen und wird individuell eingestellt.

Gerade zu Beginn beginnt man – besonders bei älteren Menschen oder Herzpatienten – häufig mit einer niedrigen Dosis und steigert sie langsam. In den ersten Wochen und Monaten wird der TSH-Wert engmaschig kontrolliert und die Dosis schrittweise angepasst, bis sie stimmt. Ist die Einstellung gefunden, genügt meist eine Kontrolle ein- bis zweimal jährlich. Da eine Hashimoto-Thyreoiditis in der Regel bestehen bleibt, ist die Einnahme oft eine Behandlung fürs Leben – das klingt nach viel, ist aber bei richtiger Dosierung gut verträglich und ermöglicht ein völlig normales Leben.

L-Thyroxin richtig einnehmen – Tipps aus Ihrer Apotheke

Damit das Hormon zuverlässig wirkt, kommt es auf die richtige Einnahme an. Diese Punkte sollten Sie beachten:

  • Nüchtern einnehmen: L-Thyroxin wirkt am besten auf leeren Magen. Nehmen Sie die Tablette morgens etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Leitungswasser ein.
  • Abstand zu anderen Mitteln halten: Präparate mit Kalzium oder Eisen, magensäurebindende Mittel sowie manche Cholesterinsenker und bestimmte Antibiotika können die Aufnahme von L-Thyroxin behindern. Halten Sie hier mehrere Stunden Abstand – wir beraten Sie gern zum sinnvollen Einnahmezeitpunkt.
  • Bei der gewohnten Marke bleiben: Verschiedene Präparate können sich geringfügig unterscheiden. Ein Wechsel sollte daher mit einer anschließenden TSH-Kontrolle begleitet werden.
  • Regelmäßigkeit zählt: Nehmen Sie die Tablette täglich zur selben Zeit. Haben Sie eine Einnahme vergessen, holen Sie sie nicht durch eine doppelte Dosis nach, sondern fahren am nächsten Tag normal fort.
  • Kühl und trocken lagern: Bewahren Sie die Tabletten vorschriftsgemäß auf und beachten Sie das Verfallsdatum.

Wird die Dosis zu hoch gewählt, kann es zu Zeichen einer Überfunktion kommen – etwa Herzklopfen, innerer Unruhe, Schwitzen oder Schlafstörungen. Bemerken Sie solche Beschwerden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; oft muss die Dosis dann etwas reduziert werden.

Schwangerschaft und Kinderwunsch

Eine gut eingestellte Schilddrüse ist gerade bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft besonders wichtig, weil die Hormone die Entwicklung des Kindes mitbestimmen. Der Bedarf an L-Thyroxin steigt während der Schwangerschaft häufig an. Frauen, die schwanger sind oder es werden möchten, sollten ihre Schilddrüsenwerte daher engmaschig ärztlich überprüfen lassen und die Dosis frühzeitig anpassen.

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Halten Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme oder gedrückte Stimmung über Wochen an, ohne dass es eine andere Erklärung gibt, lassen Sie Ihre Schilddrüsenwerte bestimmen. Eine Unterfunktion ist keine Bagatelle, aber sie ist sehr gut behandelbar. Mit der richtigen Einstellung verschwinden die Beschwerden meist vollständig, und einer normalen Leistungsfähigkeit steht nichts im Wege. Wir in der Nord-Apotheke beraten Sie gern rund um Ihre Schilddrüsenmedikamente, mögliche Wechselwirkungen und die richtige Einnahme – sprechen Sie uns einfach an.

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