Sodbrennen und Reflux: Was bei saurem Aufstoßen wirklich hilft


Von der ersten Mahlzeit bis zum Protonenpumpenhemmer
Sodbrennen und Reflux: Was bei saurem Aufstoßen wirklich hilft
Dragana Gordic/shutterstock.com
Ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein nach dem Essen ist das typische Zeichen für Reflux.

Ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein, ein saurer oder bitterer Geschmack im Mund, manchmal sogar ein Druck, der bis in den Hals zieht: Sodbrennen kennen die meisten Menschen – spätestens nach einem üppigen Essen, einem Glas Wein zu viel oder einer hastig verschlungenen Mahlzeit am Abend. Schluckt der Körper diese Reizung weg, ist alles halb so wild. Kehren die Beschwerden aber regelmäßig wieder, steckt häufig eine Refluxkrankheit dahinter. Sie gehört zu den häufigsten Magen-Darm-Problemen überhaupt: Schätzungen zufolge ist etwa jeder zehnte Erwachsene betroffen. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Verhalten und bewährten Arzneimitteln aus der Apotheke lässt sich das saure Aufstoßen meist gut beruhigen.

Warum die Säure nach oben steigt

Zwischen Speiseröhre und Magen sitzt ein ringförmiger Muskel, der untere Speiseröhrenschließmuskel. Er funktioniert wie ein Ventil: Nach dem Schlucken öffnet er sich kurz, damit die Nahrung in den Magen rutschen kann, und schließt danach wieder dicht ab. So bleibt der saure Mageninhalt dort, wo er hingehört. Erschlafft dieser Muskel zu häufig oder schließt er nicht mehr richtig, fließt Magensaft zurück nach oben – Mediziner sprechen von Reflux. Die Speiseröhre ist im Gegensatz zum Magen nicht mit einer schützenden Schleimschicht ausgekleidet. Trifft die aggressive Magensäure auf ihre empfindliche Wand, brennt es. Bei vielen Betroffenen liegt zusätzlich ein kleiner Zwerchfellbruch (Hiatushernie) vor: Dabei rutscht ein Teil des Magens durch die Zwerchfellöffnung nach oben, was den Rückfluss begünstigt.

Typische Anzeichen – und einige, an die man nicht denkt

Das klassische Symptom ist das namensgebende Sodbrennen: ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der oft nach dem Essen, im Liegen oder beim Bücken zunimmt. Dazu kommt häufig saures oder bitteres Aufstoßen, bei dem ein Schwall Mageninhalt bis in den Rachen oder Mund zurücksteigt. Doch Reflux zeigt sich nicht immer so eindeutig. Mancher plagt sich mit einem hartnäckigen Reizhusten, mit Heiserkeit am Morgen, einem Kloßgefühl im Hals oder wiederkehrenden Halsschmerzen – ohne zu ahnen, dass die Ursache im Magen liegt. Auch ein Druckgefühl in der Brust kann auftreten. Wichtig: Brustschmerzen sollten Sie nie auf die leichte Schulter nehmen, denn sie können auch vom Herzen kommen. Im Zweifel gilt immer, ärztlich abklären zu lassen.

Diese Faktoren begünstigen Reflux

Ob und wie stark die Säure nach oben steigt, hängt von vielen Dingen ab. Besonders häufig stecken folgende Auslöser dahinter:

  • Übergewicht, vor allem ein großer Bauchumfang, der von außen auf den Magen drückt
  • große, fettreiche oder stark gewürzte Mahlzeiten, die lange im Magen liegen
  • Alkohol, Nikotin, Kaffee, Pfefferminze und kohlensäurehaltige Getränke, die den Schließmuskel erschlaffen lassen
  • spätes, reichliches Essen kurz vor dem Schlafengehen
  • die letzten Schwangerschaftsmonate, in denen das Kind nach oben drückt und Hormone den Muskel lockern
  • bestimmte Medikamente, etwa einige Blutdrucksenker, Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR oder Hormonpräparate

Was Sie selbst tun können – die wirksamsten Alltagstipps

Bevor man zu Tabletten greift, lohnt sich der Blick auf die eigenen Gewohnheiten. Oft bringen kleine Änderungen erstaunlich viel. Essen Sie lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt statt weniger großer Mahlzeiten, und lassen Sie sich beim Essen Zeit. Fette, frittierte und sehr süße Speisen belasten den Magen besonders – wer dazu neigt, sollte sie reduzieren. Die letzte größere Mahlzeit sollte mindestens zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen auf dem Tisch stehen, damit der Magen bis zum Hinlegen Zeit zum Arbeiten hat.

Wer nachts unter Sodbrennen leidet, kann das Kopfende des Bettes um etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter höher stellen, zum Beispiel mit festen Klötzen unter den Bettfüßen oder einem Keilkissen. Ein einfaches Stapeln zusätzlicher Kopfkissen hilft dagegen kaum, weil dabei nur der Kopf, nicht aber der Oberkörper angehoben wird. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme die vielleicht wirksamste Maßnahme überhaupt: Schon wenige Kilos weniger entlasten den Magen spürbar. Auch der Verzicht auf das Rauchen und ein maßvoller Umgang mit Alkohol und Kaffee zahlen sich aus. Enge Gürtel und einschnürende Kleidung erhöhen den Druck im Bauchraum zusätzlich – hier darf es ruhig etwas bequemer sein.

Hilfe aus der Apotheke: die richtige Wahl bei akuten Beschwerden

Reichen die Maßnahmen im Alltag nicht aus, gibt es in der Apotheke verschiedene rezeptfreie Arzneimittel, die unterschiedlich wirken. Antazida neutralisieren die bereits vorhandene Magensäure und verschaffen oft innerhalb weniger Minuten Linderung. Sie eignen sich gut für gelegentliches Sodbrennen, etwa nach einem schweren Essen, wirken aber nur kurz. Alginate bilden auf dem Mageninhalt eine Art Schutzflöß aus Gel, das den Rückfluss in die Speiseröhre mechanisch bremst – besonders praktisch nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen.

Bei häufigeren oder stärkeren Beschwerden kommen Säureblocker zum Einsatz. Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol drosseln die Säureproduktion im Magen sehr wirksam und werden idealerweise morgens vor dem Frühstück auf nüchternen Magen eingenommen. Ihre volle Wirkung entfalten sie erst nach ein paar Tagen, dafür hält sie lange an. In niedriger Dosierung sind einige dieser Mittel rezeptfrei erhältlich. Daneben gibt es noch sogenannte H2-Blocker, die die Säurebildung ebenfalls hemmen. Welches Präparat für Sie das passende ist, hängt von der Häufigkeit und Stärke Ihrer Beschwerden ab – wir beraten Sie dazu gern persönlich.

Vorsicht vor der Dauereinnahme

So hilfreich Säureblocker sind: Rezeptfreie Mittel gegen Sodbrennen sollten Sie ohne ärztlichen Rat nicht länger als etwa zwei Wochen am Stück anwenden. Verschwinden die Beschwerden in dieser Zeit nicht oder kehren sie nach dem Absetzen sofort zurück, gehört die Ursache abgeklärt. Eine dauerhafte Selbstbehandlung kann ernstere Erkrankungen verschleiern und verzögert unter Umständen die richtige Diagnose. Setzen Sie Protonenpumpenhemmer nach längerer Einnahme zudem besser schrittweise ab, da der Magen sonst vorübergehend vermehrt Säure bilden kann.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

In bestimmten Situationen ist Selbstbehandlung nicht der richtige Weg. Suchen Sie eine Ärztin oder einen Arzt auf, wenn

  • das Sodbrennen mehrmals pro Woche auftritt oder über zwei Wochen anhält
  • Sie Schwierigkeiten oder Schmerzen beim Schlucken haben
  • Sie ungewollt Gewicht verlieren oder anhaltend appetitlos sind
  • Sie Blut erbrechen oder schwarz gefärbten, teerartigen Stuhl bemerken
  • starke Brustschmerzen, Atemnot oder Schmerzen im Arm hinzukommen – dann sofort den Notruf 112 wählen

Solche Warnzeichen können auf eine Entzündung der Speiseröhre, eine Engstelle oder andere ernste Erkrankungen hindeuten. Bleibt ein Reflux über Jahre unbehandelt, kann sich die Speiseröhrenschleimhaut dauerhaft verändern (sogenannter Barrett-Ösophagus), was das Risiko für Speiseröhrenkrebs leicht erhöht. Mit einer Magenspiegelung lässt sich der Zustand der Schleimhaut zuverlässig beurteilen.

Unser Rat

Gelegentliches Sodbrennen ist in der Regel harmlos und lässt sich mit einem bewussten Essverhalten und einem passenden Mittel aus der Apotheke gut beherrschen. Achten Sie auf Ihre persönlichen Auslöser, essen Sie abends nicht zu spät und zu schwer, und geben Sie Ihrem Magen Zeit. Wenn die Beschwerden häufig wiederkehren oder eines der genannten Warnzeichen auftritt, zögern Sie nicht, ärztlichen Rat einzuholen. Kommen Sie bei Fragen rund um Sodbrennen, die richtige Anwendung Ihrer Mittel oder mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten gern in der Nord-Apotheke in Ilvesheim vorbei – wir nehmen uns Zeit für Sie.

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