Diabetes Typ 2 – den Blutzucker im Alltag richtig managen


So behalten Sie Ihre Werte mit Ernährung, Bewegung und der richtigen Selbstmessung im Griff

Ein Typ-2-Diabetes verändert nichts über Nacht – und genau das macht ihn tückisch. Viele Betroffene fühlen sich lange Zeit völlig gesund, während ein dauerhaft erhöhter Blutzucker im Hintergrund die Gefäße, die Nerven, die Augen und die Nieren belastet. Die gute Nachricht: Kaum eine andere chronische Erkrankung lässt sich so stark durch das eigene Verhalten beeinflussen. Wer versteht, was im Körper passiert, und ein paar Routinen in den Alltag einbaut, kann seine Werte oft deutlich verbessern – manchmal sogar so weit, dass weniger Medikamente nötig sind.

Beim Typ-2-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zwar weiterhin Insulin, doch die Körperzellen reagieren immer schlechter darauf. Man spricht von einer Insulinresistenz. Der Zucker aus der Nahrung gelangt dann nicht mehr ausreichend in die Zellen, sondern staut sich im Blut. Über Jahre erschöpft sich die Bauchspeicheldrüse zusätzlich, weil sie immer mehr Insulin nachlegen muss. Diese Entwicklung verläuft schleichend – und sie ist der Grund, warum eine konsequente, alltagstaugliche Behandlung so wichtig ist.

Welche Werte zählen – und was sie bedeuten

Der wichtigste Langzeitwert ist der HbA1c. Er gibt an, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen acht bis zwölf Wochen im Durchschnitt war, und wird deshalb auch „Blutzucker-Gedächtnis“ genannt. Für viele Menschen mit Typ-2-Diabetes liegt ein sinnvoller Zielkorridor zwischen etwa 6,5 und 7,5 Prozent. Einen einzigen, für alle gültigen Zielwert gibt es jedoch nicht: Bei jungen, ansonsten gesunden Betroffenen darf das Ziel ehrgeiziger sein, bei älteren Menschen oder bei mehreren Begleiterkrankungen wird es bewusst etwas höher angesetzt, um gefährliche Unterzuckerungen zu vermeiden. Ihren persönlichen Zielwert legen Sie immer gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest.

Neben dem HbA1c spielt der aktuelle Blutzucker eine Rolle. Als grobe Orientierung gilt: Nüchtern – also morgens vor dem Frühstück – sind Werte zwischen etwa 80 und 130 mg/dl (rund 4,4 bis 7,2 mmol/l) anzustreben. Zwei Stunden nach einer Mahlzeit sollten die Werte möglichst unter 180 mg/dl (etwa 10 mmol/l) bleiben. Diese Zahlen sind Richtwerte; Ihre individuellen Grenzen kann nur das Behandlungsteam festlegen.

Ernährung: die wirksamste Stellschraube

Eine spezielle „Diabetiker-Diät“ oder teure Spezialprodukte braucht niemand. Entscheidend ist eine ausgewogene, ballaststoffreiche Mischkost, die den Blutzucker nur langsam ansteigen lässt. Besonders günstig wirken sich folgende Gewohnheiten aus:

  • Vollkorn statt Weißmehl: Vollkornbrot, Haferflocken, Naturreis und Vollkornnudeln liefern Ballaststoffe, die den Zuckeranstieg bremsen und länger satt machen.
  • Viel Gemüse und Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Kichererbsen und reichlich Gemüse füllen den Teller, ohne den Blutzucker in die Höhe zu treiben.
  • Zuckerhaltige Getränke meiden: Limonaden, Fruchtsäfte und gesüßter Kaffee lassen den Blutzucker schlagartig steigen. Besser sind Wasser und ungesüßter Tee.
  • Gesunde Fette bevorzugen: Pflanzenöle wie Raps- und Olivenöl, Nüsse und fetter Seefisch unterstützen Herz und Gefäße.
  • Portionen im Blick behalten: Schon eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent des Körpergewichts kann die Insulinwirkung spürbar verbessern.

Ein praktischer Trick für den Alltag ist die „Tellerregel“: Etwa die Hälfte des Tellers mit Gemüse oder Salat füllen, ein Viertel mit einer Eiweißquelle wie Fisch, Geflügel, Tofu oder Hülsenfrüchten und nur das letzte Viertel mit Beilagen wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Wer zusätzlich erst das Gemüse und das Eiweiß isst und die Kohlenhydrate ans Ende der Mahlzeit stellt, kann den Blutzuckeranstieg nach dem Essen oft abmildern.

Bewegung: das natürliche Blutzuckermittel

Körperliche Aktivität wirkt wie ein Medikament – nur ohne Nebenwirkungen. Wenn die Muskeln arbeiten, nehmen sie Zucker aus dem Blut auf, und zwar zu einem großen Teil ganz ohne Insulin. Gleichzeitig steigt die Empfindlichkeit der Zellen für das körpereigene Insulin, und dieser Effekt hält noch viele Stunden nach dem Sport an. Schon regelmäßige Spaziergänge machen einen Unterschied. Als Faustregel haben sich rund 30 Minuten Bewegung an den meisten Tagen der Woche bewährt – das lässt sich auch in drei Einheiten zu je zehn Minuten aufteilen.

Besonders gut ist eine Kombination aus Ausdauer und Kraft: Zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen trainieren das Herz-Kreislauf-System, während leichtes Krafttraining die Muskelmasse erhält – und mehr Muskeln verbrauchen mehr Zucker. Wer lange inaktiv war oder Begleiterkrankungen am Herzen hat, sollte vor dem Start mit dem Sport ärztlich abklären, welche Belastung sinnvoll ist. Schon kleine Veränderungen zählen: die Treppe statt des Aufzugs, ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen oder das Aussteigen eine Bushaltestelle früher.

Den Blutzucker richtig selbst messen

Ob und wie oft Sie selbst messen sollten, hängt von Ihrer Therapie ab. Wer nur mit Ernährung, Bewegung und Tabletten wie Metformin behandelt wird, muss meist seltener messen als jemand, der Insulin spritzt. Sinnvoll sind Messungen jedoch in besonderen Situationen: bei Krankheit, nach einer Ernährungsumstellung, bei ungewohnter körperlicher Belastung oder wenn Sie ein Gefühl dafür entwickeln möchten, wie einzelne Mahlzeiten Ihren Wert beeinflussen. Ein Mess-Tagebuch – ob auf Papier oder als App – hilft Ihnen und dem Behandlungsteam, Muster zu erkennen.

Damit die Werte stimmen, lohnt sich ein Blick auf die Technik: Hände vor der Messung mit warmem Wasser waschen und gut abtrocknen, denn Reste von Süßem an den Fingern verfälschen das Ergebnis. Stechen Sie seitlich an der Fingerkuppe, das ist weniger schmerzhaft. Achten Sie darauf, dass die Teststreifen nicht abgelaufen und richtig gelagert sind. Moderne Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung am Oberarm können den Alltag zusätzlich erleichtern – ob ein solches System für Sie infrage kommt, bespricht Ihr Behandlungsteam mit Ihnen.

Medikamente: zuverlässig und zur richtigen Zeit

Reichen Ernährung und Bewegung nicht aus, kommen Medikamente hinzu. Häufig steht am Anfang der Wirkstoff Metformin. Er senkt vor allem die Zuckerneubildung in der Leber und verbessert die Insulinempfindlichkeit, ohne von sich aus Unterzuckerungen auszulösen. Damit Metformin gut vertragen wird, wird es üblicherweise zu oder nach den Mahlzeiten eingenommen und die Dosis langsam gesteigert. Daneben gibt es heute viele weitere Wirkstoffgruppen, von denen einige zusätzlich das Herz und die Nieren schützen können. Welche Kombination zu Ihnen passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell.

Wichtig ist die regelmäßige, pünktliche Einnahme. Feste Routinen – etwa die Tablette immer zur gleichen Mahlzeit – und ein Wochendosierer helfen, keine Dosis zu vergessen. Setzen Sie Ihre Medikamente nie eigenmächtig ab, auch dann nicht, wenn die Werte gut sind: Die guten Werte sind in der Regel das Ergebnis der Behandlung, nicht ein Zeichen, dass sie nicht mehr nötig ist.

Unterzuckerung erkennen – und richtig reagieren

Wer bestimmte blutzuckersenkende Medikamente einnimmt oder Insulin spritzt, kann eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) erleben. Typische Anzeichen sind Zittern, Heißhunger, Schweißausbrüche, Herzklopfen, Konzentrationsprobleme und Reizbarkeit. In diesem Fall gilt die Regel „erst essen, dann messen“: rasch wirkende Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder ein Glas Saft zu sich nehmen und anschließend kontrollieren. Führen Sie für unterwegs immer etwas Traubenzucker mit sich. Treten Unterzuckerungen häufiger auf, sollte die Therapie ärztlich angepasst werden.

Vorsorge nicht vergessen

Ein gut eingestellter Blutzucker ist die halbe Miete – die andere Hälfte sind die regelmäßigen Kontrolltermine. Dazu gehören die Untersuchung der Füße, die Kontrolle der Augen beim Augenarzt, die Überprüfung der Nierenwerte sowie ein Blick auf Blutdruck und Blutfette, denn diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. Achten Sie außerdem auf Ihre Füße: täglich auf kleine Verletzungen kontrollieren, gut sitzende Schuhe tragen und Druckstellen ernst nehmen, da Wunden bei Diabetes langsamer heilen.

Diabetes Typ 2 ist kein Grund zur Resignation, sondern eine Einladung, die eigene Gesundheit aktiv in die Hand zu nehmen. Schon kleine, dauerhaft beibehaltene Schritte summieren sich zu einem großen Effekt. Wir von der Nord-Apotheke in 68549 Ilvesheim begleiten Sie dabei gern: Sprechen Sie uns auf Blutzuckermessgeräte und Teststreifen, auf die richtige Anwendung Ihrer Medikamente, auf Wechselwirkungen und auf praktische Hilfen für den Alltag an. Gemeinsam finden wir den Weg, der zu Ihrem Leben passt.

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