Heuschnupfen und Pollenallergie: Symptome lindern und richtig behandeln
Sobald die ersten warmen Tage kommen, beginnt für Millionen Menschen in Deutschland eine beschwerliche Zeit: Die Nase läuft, die Augen jucken und tränen, Niesattacken reihen sich aneinander. Schuld ist der Heuschnupfen – medizinisch eine allergische Rhinitis, ausgelöst durch Blütenpollen von Bäumen, Gräsern und Kräutern. Was viele für eine harmlose Befindlichkeitsstörung halten, ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die unbehandelt die Lebensqualität deutlich einschränken und langfristig die Atemwege schädigen kann. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Beschwerden bei den allermeisten Betroffenen gut in den Griff bekommen.
Warum der Körper auf Pollen überreagiert
Bei einer Pollenallergie stuft das Immunsystem eigentlich harmlose Eiweiße aus den Pollen fälschlicherweise als gefährliche Eindringlinge ein. Beim ersten Kontakt bildet der Körper sogenannte IgE-Antikörper, die sich an bestimmte Abwehrzellen – die Mastzellen – heften. Diese Phase verläuft unbemerkt und heißt Sensibilisierung. Kommt es beim nächsten Pollenkontakt erneut zur Begegnung mit dem Allergen, schütten die Mastzellen schlagartig Botenstoffe aus, allen voran das Histamin. Histamin lässt die Schleimhäute anschwellen, regt die Schleimproduktion an und reizt die Nervenenden – die typischen Symptome entstehen innerhalb von Minuten.
Welche Pollen Beschwerden auslösen, hängt von der individuellen Sensibilisierung und der Jahreszeit ab. Ein grober Pollenkalender hilft bei der Einordnung:
- Frühblüher (Februar bis April): Hasel, Erle und Birke gehören zu den frühesten und aggressivsten Pollen überhaupt.
- Gräser (Mai bis August): Gräserpollen sind die häufigsten Auslöser von Heuschnupfen und belasten oft über viele Wochen.
- Kräuter (Juli bis September): Beifuß und vor allem die eingeschleppte Ambrosia (Traubenkraut) sorgen im Spätsommer für Beschwerden.
Durch die Klimaerwärmung beginnt die Pollensaison heute früher und dauert länger als noch vor wenigen Jahrzehnten. Manche Allergiker:innen haben daher von Februar bis in den Oktober hinein kaum eine beschwerdefreie Phase.
Typische Symptome – und wann es ernst wird
Die klassischen Anzeichen einer Pollenallergie betreffen vor allem Nase und Augen:
- anfallsartige Niesattacken, häufig direkt nach dem Aufstehen
- eine fließende oder verstopfte, juckende Nase (Fließschnupfen)
- gerötete, juckende und tränende Augen (allergische Bindehautentzündung)
- Juckreiz an Gaumen, Hals oder in den Ohren
- Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme und schlechter Schlaf durch die behinderte Nasenatmung
Wichtig zu wissen: Unbehandelter Heuschnupfen kann über die Jahre auf die unteren Atemwege übergreifen. Mediziner:innen sprechen vom sogenannten „Etagenwechsel“ – aus einer allergischen Rhinitis entwickelt sich ein allergisches Asthma bronchiale. Etwa ein Drittel der unbehandelten Heuschnupfen-Patient:innen ist davon betroffen. Treten Husten, ein Engegefühl in der Brust oder Atemnot auf, sollte das unbedingt ärztlich abgeklärt werden.
Allergen meiden: der erste und wichtigste Schritt
Ganz lässt sich Pollen in der Luft natürlich nicht vermeiden. Einige Maßnahmen senken die Pollenbelastung im Alltag aber spürbar:
- Richtig lüften: In der Stadt ist die Pollenkonzentration morgens am niedrigsten, auf dem Land abends. Lüften Sie entsprechend gezielt und halten Sie Fenster ansonsten geschlossen.
- Pollen aussperren: Pollenschutzgitter an den Fenstern und ein Pollenfilter in der Lüftungsanlage des Autos fangen einen Großteil der Körner ab.
- Haare abends waschen: Pollen sammeln sich tagsüber in den Haaren. Wer abends duscht und Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ablegt, schläft ruhiger.
- Pollenflugvorhersage nutzen: An Tagen mit hoher Belastung körperlich anstrengende Aktivitäten im Freien besser verschieben.
- Urlaub planen: Am Meer und im Hochgebirge über 1.500 Metern ist die Pollenkonzentration deutlich geringer.
Medikamente, die schnell Linderung bringen
Für die akute Behandlung der Symptome stehen verschiedene, gut wirksame Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Viele davon sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich:
Antihistaminika blockieren die Wirkung des Histamins und lindern damit Niesen, Juckreiz und Fließschnupfen. Moderne Wirkstoffe wie Cetirizin, Loratadin oder Fexofenadin machen – anders als ältere Präparate – kaum noch müde und werden als Tablette meist nur einmal täglich eingenommen. Für lokale Beschwerden gibt es Antihistaminika auch als Nasenspray und Augentropfen, die besonders rasch wirken.
Kortisonhaltige Nasensprays (etwa mit Mometason oder Fluticason) gelten heute als wirksamste Einzelmaßnahme bei verstopfter Nase. Das niedrig dosierte Kortison wirkt ausschließlich örtlich in der Nasenschleimhaut, gelangt kaum in den übrigen Körper und macht nicht abhängig. Damit der volle Effekt eintritt, sollten sie regelmäßig über mehrere Tage angewendet werden – nicht nur bei akuten Beschwerden.
Mastzellstabilisatoren wie Cromoglicinsäure verhindern die Ausschüttung von Histamin von vornherein. Sie müssen allerdings vorbeugend und konsequent eingesetzt werden, da ihre Wirkung erst nach einigen Tagen einsetzt.
Abschwellende Nasensprays mit Xylometazolin befreien zwar kurzfristig die Nase, sind bei Heuschnupfen aber keine Dauerlösung: Schon nach wenigen Tagen droht ein Gewöhnungseffekt mit reaktiver Schleimhautschwellung. Sie sollten höchstens kurzzeitig und nicht länger als eine Woche verwendet werden.
Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten, welches Präparat zu Ihren Beschwerden passt. Wichtig ist auch die richtige Anwendungstechnik: Ein Nasenspray sollte mit leicht vorgebeugtem Kopf und jeweils zur gegenüberliegenden Nasenwand gesprüht werden, damit der Wirkstoff die Schleimhaut erreicht und nicht direkt in den Rachen läuft.
Hyposensibilisierung: die Ursache behandeln
Während Medikamente nur die Symptome lindern, setzt die spezifische Immuntherapie – auch Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung genannt – an der Wurzel der Erkrankung an. Dabei wird das Immunsystem über einen Zeitraum von etwa drei Jahren langsam an das Allergen gewöhnt, indem das Allergen in steigender Dosierung verabreicht wird – entweder als Spritze unter die Haut (subkutan) oder als Tablette beziehungsweise Tropfen unter die Zunge (sublingual). Ziel ist es, die überschüssige Immunreaktion dauerhaft herunterzufahren.
Die Hyposensibilisierung ist derzeit die einzige Behandlung, die den Verlauf der Allergie ursächlich beeinflussen kann. Sie senkt nachweislich das Risiko, ein allergisches Asthma zu entwickeln, und kann auch neuen Sensibilisierungen vorbeugen. Ob sie infrage kommt, klären Betroffene am besten mit einer allergologisch erfahrenen Ärztin oder einem entsprechenden Arzt. Begonnen wird die Therapie idealerweise außerhalb der Pollensaison.
Vorsicht bei Kreuzallergien
Viele Pollenallergiker:innen reagieren auch auf bestimmte Lebensmittel – das nennt man Kreuzallergie. Der Grund: Manche Eiweiße in Nüssen, Kern- und Steinobst oder Gemüse ähneln den Allergenen der Pollen so stark, dass das Immunsystem sie verwechselt. Birkenpollenallergiker:innen vertragen zum Beispiel oft keine rohen Äpfel, Haselnüsse oder Karotten und bekommen ein Kribbeln oder Anschwellen im Mund (orales Allergiesyndrom). Häufig werden die Lebensmittel in gekochter Form besser vertragen. Bei starken Reaktionen sollte die Auswahl der Nahrungsmittel mit ärztlicher Unterstützung angepasst werden.
Fazit
Heuschnupfen ist weit verbreitet, aber niemand muss die Beschwerden einfach hinnehmen. Wer die auslösenden Pollen kennt, sein Verhalten anpasst und die passenden Medikamente konsequent anwendet, kommt meist gut durch die Saison. Halten die Beschwerden über mehrere Wochen an, betreffen sie auch die Bronchien oder reichen rezeptfreie Mittel nicht aus, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll – spätestens dann lohnt sich auch das Gespräch über eine Hyposensibilisierung. Ihr Apothekenteam unterstützt Sie gern bei der Auswahl und der richtigen Anwendung Ihrer Allergie-Medikamente.